Nibelungen und Kudrnn.
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vorgebracht Hut, das wird ihm die Geschichte der Dichtung nie vergessen.Ihn nur zu fusscn (dieser alte Ausspruch des Quintiliun gilt heute innoch viel höherem Grude) ist schon die Suche eines großen Geistes;unsere ersten Dichter und Kritiker, unsere Göthe und Schiller, unsereLessing und Humboldt müssen erst die ganze Herrlichkeit des nie ergrün-deten und nie zu ergründenden Dichters unseren stumpferen Sinnen er-schließen, und che wir diese gehört und verstunden Huben, sollten wir unsnicht unmußen, keck zu urtheilen über Dinge, für die nur wenige recht-mäßige Richter bestellt sind. Wenn mun zu Vergleichen mit solchen Er-scheinungen zwingt, wohin sinken dünn die Nibelungen herab, die unihrer bescheidenen Stelle für sich nur den gerechten Anspruch machen dür-fen, das Bestreben anerkannt zu sehen, daß sic mit Homer in seiner pla-stischen Kunst wetteifern wollten. Dies ist großartig genug, sobald mandie ungünstigen Umstände bedenkt, und darum wiederholen wir, daß ohneein historisches Studium die Nibelungen wie fast alle Dichtungen jenerZeiten viel unter ihrem allgemeinen Werthe erscheinen müssen.
Den Nibelungen setzen wir die Kudrun^) entgegen oder zurSeite, die deutsche Odyssee zur deutschen JliaS. Noch liegt der Ursprungdieses merkwürdigen Gedichtes in tiefem Dunkel; die geschichtlichenGrundlagen sind noch zu entdecken; über die Geographie, die durch späteEinmischungen fabelhafter Oertlichkeiten im Geschmack der romantischenEpopöe vielfach entstellt wurde, ist nur erst theilweises Licht verbreitet.Entschieden ist, daß es schon im 12. Jahrh. Bearbeitungen der Kndrnngab; unser Lied selbst weist auf ältere Quellen^') und mehrere deutscheGedichte dieser Zeit enthalten Zeugnisse, die auf mehrere sehr verschiedeneNercnsionen deuten. Auf einzelne Züge in unserem Gedichte finden sichüberdieß ältere Anspielungen^), so daß die volksmäßige Ausbildungaußer Zweifel ist, obgleich die Mittel dürftig sind, sie zu verfolgen^").Nordische Zeugnisse für die Sage gehen bis ins 9. Jahrh. zurück, undangelsächsische sogar des 8. Jahrh. nehmen Bezug auf einzelne Fi-guren derselben. Der Schauplatz der Sage weist uns auf Friesland,
336) AuSg. v. Vollmer, mit Einl. von Alb. Schott. Leipzig 1845. -— Nebersetztvon Ad. Keller. Stuttgart 1840. Von Simrock. Ebd. 1843»
337) Außer mehrfachen Berufungen auf mündliche Neberlieferung, einmal: alsuns üiu duoeb Knut tuont,
338) Siehe die Zeugnisse gesammelt bei Grimm, deutsche Heldensage p. 325 sgg.
339) Vgl. die Abhandlung in San Marte's Bearbeitung der Kudrun, und Alb.Schott a. a. O.