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1 (1853)
Entstehung
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350
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Blüte der ritterlichen Lorik und Epopöe.

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Lobcscrhcbiingcii euren Werth zu geben, der nicht da ist^'ch: die Folgeist immer, daß man statt der Liebe, die man bezweckt, das gerade Gcgcn-theil hervorruft. Dem Knaben, dem werdenden Menschen, können dieHelden der Nibelungen die archäischen des Homer nicht ersetzen. DieStrebsamkeit, das Feuer, das Vertrauen ans menschliche Kraft, von demdiese beseelt sind, kann allein Menschen von tüchtiger Art bilden, die Pas-sivität dieser alten Germanen, die ihre heidnische Unruhe schon mit einergewissen Schläfrigkeit vertauscht haben, kann uns nicht das Geschlechtschaffen, das den gegenwärtigen Zeiten gegenüber nothwcndig ist^ch.Wie auch Nationalsinn durch dies Gedicht geweckt werden solle, wäreuns ein Räthsel, und die Hoffnungen, die man darauf ln dieser Hinsichtbaute, konnten nur in einem so begeisterten Manne wie Johannes vonMüller, oder in einer so begeisterten Zeit wie l8l3 aufkonimen. Wirfühlen uns schwerlich diesen Burgundern verwandter, als den Achäerndes Homer, die unö doch noch Liebe zum Vatcrlaudc lehren können, fürdas das ganze Mittelalter kaum den Namen hatte. Wenn man vollendsden poetischen Werth im vaterländischen Dünkel dem Homer cntgegen-zustellcn kühn genug war, so muß man bedauern, daß so wenig Kunst-sinn unter uns herrscht, daß Aussprüche der Art nur eine Möglichkeitsind. Homer hat im Gebiete der Dichtung die Rolle des prophetischenOffcnbarers gespielt, und mit entschiedncrcr Wirksamkeit, als vielleichtirgend ein anderer Prophet im Gebiete der Religion. Wenn mau auchseine Spuren auö Schwäche und Verkehrtheit vielfach verließ, so wagteman niemals sein geheiligtes Ansehn und die ewige Gültigkeit seinerGesetze anzutastcn oder zu bezweifeln. Welcher Rcligionölchrcr könntesich rühmen, so gleichmäßige Anerkennung für so unendliche Zeiten ge-funden zu haben? Wie er in seiner Nation auf die Erziehung, wie er indieser Hinsicht neuerlich unter uns wirkre, kann man mit nichts verglei-chen, als mit den Schriften der Juden, und mit Recht hat man ihm hartneben diesen seine Stelle unter uns gegeben. Was aber die griechischeDichtung, Bildhauerkunst und Malerei ihm zu danken hat und welcheherrliche Umwälzung er in unserer Poesie des vorigen Jahrhunderts her-

331) Göthe an Knebel 1808:Die modernen Liebhaber dieses Gedichtes, dieHerrn GörrcS und Konsorten, ziehen noch dichtere Nebel über die Nibelungen, und wieman von Andern sagt, daß sie das Wasser trüben um Fische zu fangen, so trüben dieseLand und Berg, um alle gute kritische Jagd zu verhindern."

335) Aus einer diesem sittlichen und künstlerischen Gesichtspunkte entgegengesetztenAnsicht ist geschrieben: H. Timme, das Nibelungenlied. 1852.