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1 (1853)
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Nibelungen und Kudrun.

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alten Geschichten unseres Volks einen poetischen Hintergrund zu geben,daß durch sic dem Alterthume der Nation die Seele wieder eingehauchtwerden könne, die wir in den lateinischen Chroniken vergebens suchen.Allein was damit gemeint war, daö blieb den Leuten überhaupt, undwie es anzufangen wäre, unseren deutschen Geschichtschreibern, scheintes, ein Räthsel. Wenn Schlegel dabei zugleich verlangte, daß man daSGedicht in Schulen einführen und ein Hauptbuch der Erziehung darausmachen solle, so möchten wir dabei zur äußersten Vorsicht rathcn und cshöchstens in der obersten Klasse räthlich finden, wo schon die Vorkeuut-nissc da sind, die dem Werke seinen historischen Werth absehen können.Zur Bildung der Frühjngcnd halten wir seinen Gebrauch eher für schäd-lich als für nützlich. Die Jugend, aus sich selbst, nimmt keinen Antheildaran, wie an Homer. Und wer dem widerspricht, der wird seine Erfah-rung unter dem Bedenken zurücknehmen müssen, daß, wo ja die Nibe-lungen erklärt werden, cs meist durch einen begeisterten Kenner geschieht,dessen Antheil und vielleicht geistvolle, gewiß aber liebevolle Behandlungmehr fesselt als die Sache selbst, während Homer das einzige Buch derWelt ist, dem in einem irgend sinnigen Knaben auch die Mißhandlungdes ärgsten Pedanten nur wenigen Schaden thut. Eine Nation, die dieBibel und den Homer zu ihren Erzichungöbüchern gemacht hat, die sicham besten Mark der ganzen Menschheit nähren will, wird einem solchenWerke, wie die Nibelungen, aus die Dauer keinen so bevorzugenden Rangunter ihren Bildungs- und Unterrichtsmitteln gönnen; sie bleibt trotzewigen Widersprüchen der Klüglinge ans dem betretenen Wege mit festerAusdauer, während die Begeisterung für unsre alten Dichtungen vonheute und gestern ist, und aus Zeiten, die von einer Deutschthümeleibefallen waren, über die wir mit kaltem Blute lachen. Man versuche nurden Geist unserer Jugend, ob es ihr nicht wie angeboren scheint, dasengere Nationale zu verspotten; sie lernt erst dann ihr eignes Volkschätzen, wenn sic die Erfahrung gemacht haben kann, wie viel Tüchtig-keit, wie viel gesunder und kräftiger Sinn in diesem Volke ist; und erstwenn sie dies beurtheilcn kann, kann sie auch richtig von dem Wcrtheunserer alten Dichtungen urthcilen, die sie dann mit all der herzlichenEinfalt und Schmucklosigkeit, mit all dem frischen unverwüstlichen Kerne,mit all der unschuldigen Zucht und Ehrbarkeit der faden, trockenen undoft schmutzigen Versmacherei der fremden Nationen damaliger Zeit ge-genüber betrachten wird. Aber verrücken wir ja nicht diesen Gesichtspunkt,den einzigen, der der Sache gemäß ist; und trachten wir nicht mit eitlen