Nibelungen und Kuben».
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Haupt bildet, und einen Abriß, der mit einer seltenen Bestimmtheit aus-gezeichnet ist. Wir finden in diesem Nibelungenliede die gegenständlicheKunst der Alten, die reinere Wirkung auf die Sinne und die Einbil-dungskraft, ohne Einmischung der Persönlichkeit dcS Dichters, ohne eineausschließliche Einwirkung auf eine Empfindung des Lescrö oder aus sei-nen Verstand. Kein Volk des neueren Europa hat hiermit etwas zu ver-gleichen. Und wenn auch die Erfolge dieses Gedichtes und unsere ganzeNatur uns sagt, daß wir nicht bestimmt waren, in dieser Gattung eigcn-thümlich ausgezeichnet zu sein, so steht doch dies Werk in seiner großenAnlage ganz allein neben dem griechischen Epos und beweist unsere Ver-trautheit mit der allgemeinen Entwicklung der Menschheit, die wir inallen ihren Theilcn zu vollenden strebten, auch wo wie hier äußere Hin-dernisse sich cntgegenstellten. Wir gingen von dieser Art der Dichtungauf die am meisten entgegengesetzte über, von den äußeren Formen ansdie inneren, von der objeetiven epischen zur snbjcetivcn lyrischen Kunst.Während wir am meisten unter den neueren Völkern uns in unseremVolkSepos dem einfachsten Begriffe der Kunst, der in der Seulptur liegt,näherten, so fielen wir jetzt umgekehrt dem entferntesten zu, der in derMusik liegt, mit der unser Minnegesang die engste Verwandtschaft hat.Wir sollten und wollten den ganzen Kreis der Dichtung beschreiben; wirverstiegen unö in die äußersten Enden fast zu einer und derselben Zeit.Die größestc und entschiedenste Anlage gab sich in beiden kund; kein epi-scher Stoff that eS dem unseren an Großartigkeit, kein lyrischer Gesangan Tiefe der Empfindung gleich. Allein cs fehlte an der Reife der Ein-bildungskraft, um in beiderlei Art vollkommenere Kunstwerke zu gestal-ten. Es schien, als ob wir auch daS Uncrlcrnbarc uns erst durch Lernenancigncn müßten. Es erforderte Jahrhunderte der einseitigeren Ausbil-dung des Verstandes, die unS in jederlei Art von Erkenntniß weiterbrachten, ehe wir im Stande waren in einer neuen Periode jene Gegen-sätze zu versöhnen und die cigenthnmlichcn Vorzüge der antiken Kunstmit denen der neueren zu vereinigen. Wir nahmen daS ganze Reich derGcsnble und Ideen in unsere neuere Kunst ans, und daß sic mit diesemerschwerten Körper noch einen so lwhen Flug nahm, dies zeugt von derungemeinen geistigen Biegsamkeit und Geisteskraft der Nation.
Vergleichen wir die Nibelungen mit den ritterlichen Epen der Zeit,so erscheinen sie von jeder Seite ehrwürdiger und poetischer. Eö sindnicht zufällige Begebenheiten, die hier neben einander gestellt und durch-einander geworfen sind, sondern cs ist, zwar nicht streng eine einzigeepische Handlung, sondern eigentlich zwei getrennte dramatische, aber eS