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1 (1853)
Entstehung
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Blicke der rilterlichen Lorik und Epopöe.

demüthig dm kolossalen Begebenheiten ein allzubcschcidmcs Kleid. Dortlächert nnö der Dichter mit seinem Feuer, dessen Wärme wir nicht Mit-empfinden, hier ärgert unS die Kälte und Eintönigkeit des Vortrags ineinem Stoffe, der uns ergreift und fesselt. Die Gegenstände begeisternuns hier, aber der Dichter sollte uns die Worte dafür leihen; allein siescheinen ihn selbst kalt gelassen zu haben, weil er keine begeisterte Auf-nahme mehr fand. Wir möchten gern den ungeheuren Sturz der Ereig-nisse begleiten, wir möchten nnS mit den großen Gegenständen ans glei-cher Höhe halten, allein die fast pcdcstrischc Rede schneidet nnS die Flü-gel, hält uns am Boden und vergönnt unS keinen freieren Aufschwung.Im Tristan reißt die Leetürc von Vers zu Vers, zieht immer neu an,ladet uns von Seme zu Seme, aber wenn wir geendigt haben, erstau-nen wir über die Kleinheit und Niedrigkeit der Materie, an die so vielKunst verschwendet ist; in den Nibelungen ermüden wir über dem Lesen,über den armen Reimen und der trockenen ton- und klanglosen Sprache,aber wenn wir daö Ganze überschauen und überdenken, so erkennen wirbefriedigt die Gewalt und Größe des Stoffes und tragen einen reinenEindruck davon. Wir vermissen in der Sprache, vermöge jenes Mangelsan Reife des Seelen- und geistigen Lebens, jenen vollen und schwellen-den Strom- ans dem sich reiche Empfindungen und große Leidenschaftenoffene Bahn zu brechen vermöchten. Wir vermissen in ihr die Bildungder damaligen ritterlichen Dichter, und dies gibt diesen ein Recht, sichdagegen zu erklären. Ein Volksgcdicht, wie dieses, hätte lange Zeitnoch in jener Periode der reifenden poetischen Bildung von Mund zuMund gehen sollen, allein damals und wohl schon früher, mochte dieSchrcibkunst die feine und unermüdcte Feile der mündlichen Ucbcrlicfe-rung vielfach hemmen, die Tausende von Worten und Ausdrücken inglücklichen Augenblicken glücklich änderte. Man sollte denken, auch spä-ter , auch in unseren Tagen noch, hätte die Größe der Sache neben derlallenden Sprache von selbst einen Dichter auffordern sollen, sich wieGöthe an Reineke Fuchs, wie Heibcrg und Andere an der nordischenMythologie daran zu versuchen, allein Tieck, als er dies zu unterneh-men dachte, mochte cs wohl gefühlt haben, daß hier Lücken auSzufüllcnseien, denen heute Niemand mehr gewachsen ist.

Sobald wir uns aber über diesen Zwiespalt wegsetzen, sobald wirdas äußere Gewand wegdcnkm und auf die Sache selbst gehen, so er-scheint uns das Gedicht in jeder Hinsicht überlegen und groß. DasAußerordentliche in der deutschen Dichtungsgeschichte ist, daß sic überalleinen so vollkommnen Abriß des Ganzen der Dichtungsgcschichte über-