Nibelungen und Kudrnn.
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Gedicht auch. Auch dieses frühere wahrscheinlich strophische Werk hälter nicht für freie Dichtung eines Einzelnen, sondern für eine Sammlungverschiedener Lieder, weil auch hier sich ähnliche Widersprüche finden,wie in unserer Nibelungensammlung. Die Form der umgearbeitetcn Lie-der, die Reimbildungcn würden alterthümlicher gewesen sein, als in denerhaltenen, aber die Lieder selbst nicht wohl älter als aus den 80cr höch-stens 70cr Jahren; denn es ist ihm nicht wahrscheinlich, daß die Nibe-lungcnstrophe, die man für die Erfindung des Kürenbergcö hält als dessenWeise sic bezeichnet wird, viel früher in Gebrauch gewesen. Das Gedichtist nun in jedem Falle am wichtigsten durch die Andeutungen, nach denenihm eine andere Gestalt der Sage vorlag, als uns in unseren Nibelungen.Weit das Wichtigste ist darunter, daß der Dichter der Klage nur in demletzten Theilc des Liedes, dem Untergange der Burgunder, im Wesentlichenmit unseren Torten, oft wörtlich, übereinstimmt, daß er dagegen von derWerbung um Kriemhilde und der Reise der Burgunder nur summarischeAnzeigen hatte. „Wenn wir das durchgehen," sagt Lachmann, „was inder Klage von den früheren Schicksalen Kricmhildens und ihrer Ver-wandten vorkommt, so wird daraus klar, daß der Dichter nicht den erstenThcil unseres Liedes, sondern nur einen kurzen hin und wieder auch ab-weichenden Auszug der Geschichte desselben vor sich hatte^°)." Nirgendsist von Siegfricd's früheren Thatcn oder von seiner Beziehung zu Brnn-hilden die Rede, dagegen scheint der letzte Theil, vorzüglich im Kampfmit den Berner Helden, reicher an Besonderheit, an.Kenntniß des Ein-zelnen und, wie ans den Personen des Jrnvrit und Jrine hcrvorgeht,reicher an historischer Anlehnung gewesen zu sein. Lag dem Dichter derKlage schon eine Sammlung von Liedern vor, so würden wir in ihr alsoeine Zusammenstellung besitzen, die vor der Einführung der vollständigenSiegfriedsage läge, und es wäre auch natürlich genug, daß diese erst injenen Zeiten allgemeiner Sagenvcrknüpfnng vorn wäre angefügt worden,eben wie der Gegenstand der Klage, die Botschaft an die Verwand-ten der Erschlagenen und die Bestattung, hinten angefügt ward. Alldas Störende und Ungleiche, was die Zusammcnfügung dieser beidenTheile mit sich führt, würde also Wegfällen; schon dies würde uns vondem Werthc dieses verlorenen Gedichtes günstiger denken lassen, als vondem erhaltenen. Allein der Dichter der Klage erlaubt uns noch tiefereBlicke in die innere Struetur jenes Gedichtes zu thnn. Was nämlich dieungeheure tragische Katastrophe selbst in ganz anderem Lichte erscheinen
330) Lachmann über die urspr. Gestatt der Nibelungen g. 03.
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