Nibelungen nnd Kudrun.
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Strophenzahl der verschiedenen Nibelungenlieder in Heptaden geordnethat, auch ein gutes Theil des Vertrauens zu der Unbefangenheit dieserKritik in ihrem einzelnen Verfahren rauben. Dies hindert durchausnicht, den Feinsinn anzuerkcnnen, mit dem in jener gereinigten Anord-nung auf dem Wege der sprachlichen Kritik erreicht worden ist, was demfeinsten ästhetischen Sinne Genüge thut. Ueber diese aus der kritischenUntersuchung gewonnene Frucht freut man sich ungestört, wie an denallgemeinen Ergebnissen dieser Kritik selbst. Daß die Nibelungen nichtdas Werk eines einzelnen Dichters, daß sie eine Sammlung im Volkeumhergctragener Lieder seien, wird nun so wenig mehr bestritten, daß csdes Eifers gegen die Widersacher nicht mehr bedürfte. Im Detail derKritik und Forschung werden, wo so viele Vermnthungen statt haben,die nur dem Vermnthendcn zur Ueberzeugung werden können, Anderenandere Vermuthungen ohne Eifer zu gestatten sein^).
Daß die Gestaltung unserer Poesie im 12. Jahrh. dahin leitenkonnte, wenn nicht mußte, einzelne Nibelungenlieder zu sammeln, auchwenn in früherer Zeit durchaus noch gar kein Versuch zu einer solchenSammlung gemacht worden wäre, liegt am Tage. Die Kunst der Er-zählung und dcr Antheil an fesselnden Begebenheiten kamen sich entgegen,die Achtsamkeit auf fremde Dichtung und Dichtungsstoffe führte von selbstzu der Ausnahme der einheimischen, und wir sahen diese letzteren schonoben in den rohen Versuchen, in den willkürlicheren Gestaltungen beiden Fahrenden sich neben den übersetzten Werken aufpflanzen. Möglichgenug, daß die Reihe hierzu jene vageren Gegenstände der Volkssagezuerst traf, die in sich mehr Anlage trugen, ganz nach dem Stile derneuen Erzählkunst und im Tone der französischen Dichtungen vorgetragenzu werden. Möglich genug, daß erst die schon reifere und vielseitigergewordene Zeit zu dem Versuche schritt, auch die uralten Volkslieder vonDietrich aufzugreisen, sie vorsichtig und schonend nur so umzugestalten,daß sie sich auch in höfischer Gesellschaft konnten hören lassen, und end-lich in Eine Reihe zu versammeln, daß sie als eine geordnete, voll-ständige Erzählung sich neben die fremden wagen konnten. So könnteunsere Sammlung eine ursprüngliche sein; sie könnte zuerst getrennteLieder zusammeugestellt haben, die nach Lachmann's Bemerkung um
328) W. Müller (über die Lieder voll den Nibelungen, 1845) ist-in seiner kritischenBetrachtung zu dem Ergebniß gekommen, daß nicht so viele Lieder zu trennen seien, wieLachmann will, und daß das Ganze nicht mit einem Male noch von einem Einzigengeordnet sei.