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1 (1853)
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Blüle der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

dem Charakter unserer Nachbarn gegenüber. Das Nückziehen aufsInnere, die ausschließende Beschäftigung mit dem Innern, die sanfte undgleichmäßige Ruhe, die dies mit sich führt, steht der Acußerlichkeit, derZertheiltheit, der leidenschaftlichen Unruhe der Franzosen aufs ent-schiedenste entgegen.

2. Nibelungen und Kudrun.

Gerade als die ritterliche Lyrik ihre schönste Blüte entfaltete, alsHartmaim, Wolfram und Gottfried ihre erzählenden Werke schrieben,als Alles um die Einführung freu,der Stoffe und um die höchste Glätteder formellen Ausbildung wetteiferte, kam um 1210 die Sammlung derNibelungenlieder^) zu Tage, die wir besitzen, die ehrwürdigen Resteeiner heroischen Poesie, zu denen kein Dichter genannt war, die einenuralten einheimischen Stoff behandelten, der bisher blos im Munde derVvlkSsänger gewesen war, zuletzt wohl auch in die Hände halbgclchrterfahrender Dichter gekommen sein mochte. An diesem Stoffe, der sehrwenigVerhältniß zu dem neuen auSWesten eindringendenKunstgeschmackhatte, wurde jetzt der gewagte Versuch gemacht, wieweit er sich mit der neuenritterlichen Epik versöhnen, wie weit der volksthümliche Ton der lebendigumgctragenen Lieder sich mit der schmuckreichercnKunst der hvfischcnDich-ter verschmelzen lasse. Daß der Zusammenfüger des Nibelungenliedes,wie wir es lesen, dem Kreise der höfischen Dichter angchörte, verräthsich aus der ganzen Versetzung des handelnden heroischen Personals deralten Sage in ritterliche Verhältnisse, aus der Kenntniß der höfischenEpen wie des Parzival, und aus der Befolgung der neuen reinen Kunstder Reime. Den Ort der Auszeichnung hat man in Oesterreich zusuchen, wohin die westlichen Einflüsse am langsamsten vordrangen; dar-auf führt schon die genauere Landeskunde, die sich in den Nibelungen-liedern dort findet, wo die Bühne der Handlung im Osten liegt, unddie Fehler in der Angabe rheinischer Oertlichkeiten, die sich dann inspäteren rheinischen Handschriften, wie in der Laßbergischen, verbessertfinden.

Wir begegnen dieser unserer altenVolkssage hier wieder nach langerUnterbrechung. Wir hatten Anfangs nur von der materiellen Grund-

325) Hermisg. v. Lachmann. 3. Ausg. 1851.