Minnegcsang.
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gcschichte unserer Nation an. Dies Eine Gefühl der Liebe, diese Bereit-willigkeit in einem rauhen Geschlechte von Männern, von dein zarterenGeschlechte Sitte und Zucht zu lernen, milderte damals die Rohheit desLebens, warf die erste Freude in ein eintöniges Dasein; und cs ist eineherrliche Seite unseres deutsche» Lebens und unserer Kunst, daß dieseFreude des FranenvcrkehrS hier nicht zu oberflächlicher Lust allein miß-braucht, sondern innerlich bei den Edleren auf die Reinigung der Seelebezogen ward; selbst die ungeheure Verbreitung, die allgemeine Teil-nahme an der Dichtung von Minncliedern gewinnt von dieser Seite erstihr bestes Licht. Der Ernst, die Würde, die Ehrbarkeit aller dieser Ge-sänge stellte für die langen Jahrhunderte des Meistergesangs diese zieren-den Eigenschaften als unverbrüchliches Gesetz auf. Und wie viel später-hin Fremdes und Frivoles von Außen sich eindrängtc, so hielt dasVolkslied, welches meist in dem alten Charakter sortdanerte, ein Gegen-gewicht, und niemals verlor unsereLyrik, auch wo sic inUcbermnth aus-schweifte, die Zucht und die Würde der Kunst ganz aus den Augen.Wie sich in dieser Hinsicht die französische Lyrik zu dem Gesang der Trou-badours verhält, so die unsere zu den Minnesingern; und auch das wirdsich hier vergleichen lassen, daß sich nie unsere Liedcrpoesie so in alleLebensverhältnisse eingedrängt hat, wie die französische, und wenn indieser Beziehung im Mittelalter von uns zu wenig geschehen ist, so ge-schah dagegen in der neueren Zeit von den Franzosen darin zu viel. DieKunst soll sich nicht ans ein vages Jdealleben beschränken, wie damalsin Deutschland geschah, sie soll sich aber auch nicht in den ganzen weitengemeinen Lauf des Lebens eindrängcn, wo sie sich niemals rein haltenwird. Alles daher, was damals auf die Sphäre der Liebe und denMinnegcsang Bezug hat, ist in den deutschen Dichtern um so viel zarterund schöner, wie das, was das äußere Leben berührt, bei den Trouba-dours reicher ist. Die Tenzonen und die Liebcshöfe kannte der Deutschenicht, der seine Herzensangelegenheiten stille in sich trug; die deutschenFrauen dichteten nicht selbst, sondern überließen das den Männern, vondenen sie nur Lieder verlangten, die sie zu Liedern begeisterten, so daßdiese „für ihren Habedank ihnen dann Rosen und Lilien ans ihrenWangen scheinen lassen." Was die provenzalischen Sänger in derStaatsgesellschaft thaten, thatcn diese in der Frauengescllschaft: sieschreckten mit ihrem Tadel die, welche ihren Unwillen erregte, und priesen,wer ihnen würdig erschien. Das eigcnthümlichste Merkmal deutscherNatur tritt in dem Minnegcsang, wenn man ihn mit dem Tronbadour-gesang vergleicht, zum erstenmal in dichterischen Erzeugnissen deutlich