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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

physischen und materiellen, dies eben ist das Räthselhafte und das Un-erklärliche in jenen Regungen der ersten jugendlichen Liebe, der cs eigenist sich Gefühle gleichsam zu schaffen. So ist jener in Ost und West, inGeschichte und Gedichten wiederkchrende Zug, daß der Held zu einemnie gesehenen Weibe auf bloßes Hörensagen sehnsüchtige Liebe saßt, einZug, der die Natur dieser Jugendempfindungen, die den steten Ein-wirkungen der ungestümsten Einbildungskraft ausgesetzt sind, so scharfcharakterisier, dieser Zug ist durchaus nicht eine schlechte Erfindung derPoeten, sondern beruht auf der wirklichen und ächten Natur. Bei allenwesentlichen Fehlern, die diesen Dichtungen auhängcn, gewinnen sie unsdurch Züge dieser Art ein historisches Interesse ab; und wer dafür Sinn,wer für die Feinheit und den lieblichen Reiz unserer alten Sprache Ohrund Verständniß hat, wer mit offener Seele sich seiner Jugendcmpfin-dungcn erinnert, der wird gerne einstimmen, daß der Minnegesang jenenschwer zu erfassenden, gegen jedeBezeichnung in Worten sich sträubendenZustand des ersten Seelenlebens in einer Wärme und Tiefe ans-spricht, die nur künstlerisch von Petrarca übertroffen ist, bei dem dagegendie Naivetät und Harmlosigkeit unserer sanften Meister bereits verlorenging. Er wird einstimmen mit Gottfried von Straßburg,daß dieseNachtigallen ihres Amtes wohl Pflegten, und lobwürdig ihre süße Som-merweise mit lauter Stimme sangen, das Herz mit Wonne füllten, undder Welt hohen Muth gaben, die alles Reizes entblößt und sich selbstlästig wäre, wenn nicht der liebe Vogelgesang dem Menschen, dem jenach Liebe sein Herz stand, die Freude und Wonne und die mancherleiLust ins Gedächtniß riefe, die edle Herzen beseligt; daß es freund-lichen Muth und innigliche Gedanken weckt, wenn der süßeGesang der Welt ihre Freuden zu sagen beginnt". Gerne wird man ein-mal aus dem Anspruch an männliche Gedanken und Gesinnungen weichenund dem Klageton zarter Herzen lauschen und dem Ausdruck empfind-samer, reiner Sinnesart. Und wo wir nicht die Muse verehrt finden,werden wir doch den Altar der Minne um so reicher von Opfern gekränztsehen, der Göttin, von deren Allmacht und Gewalt diese Sänger so ehr-fürchtig zu singen wußten,die alle Enge und Weite umspannt, die aufErden und im Himmel thront, die überall, nur in der Hölle nicht, gegen-wärtig ist"; und wenn auch nicht ein heiterer Cultus ihren Dienst feiert,so ist es doch ein inniger, ein heiliger und frommer. Es ist eine Ver-ehrung des weiblichen Geschlechts mehr, als einzelner Frauen, die wirhier finden; dies zeugt von der Tiefe, es eröffnet uns die Quelle, unddeutet uns die ungemeine Bedeutsamkeit dieses Gesanges in der Sitten-