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Blüte der ritterlichen Lnrik und Epopöe»
süßlich ausgedrückk ist. Wo aber einmal gereizte Eitelkeit und Eifersuchtdeutlich ausgesprochen wird, da wird die Wirkung sogleich vollkommener;nur fallen sie dann leicht, bei ihrer sonst herrschenden Scheu vor demBestimmten, ins Gemeine. Ein gleichmäßiger Grundton in der Liebeder Frauen, dem leidenschaftlichen Affert deS Manucö gegenüber, ist hierund da sein, aber selten angcdeutct. Das Unbegreifliche, Plötzliche,Unerklärliche der Liebe sprechen sie naiv nnd wahr aus; ihre Herzenliegen offen, alles Acußcre ist nur ein dünner Duft, der den innerenZustand der Seele nirgends verdeckt, nirgends aber auch bestimmt undklar vorhebt. Daß die Liebe damals daS ganze Leben ansfüllte, dieThätigkeit des Mannes ganz durchdrang, der Mittelpunkt seines innerenSeins, Mittel und Zweck für das moralische Leben zugleich war, dieshatte auf die Gestaltung der Lyrik den schädlichsten Einfluß. Diese Dich-ter, sagten wir vorhin, redeten meist in Gefühlen, von denen sie selbst vollwaren; sie mallen eine Leidenschaft, in der sie selbst glühten. Daherrührt in so vielen Gedichten das Ringen eines wallenden Gefühles miteiner stockenden Sprache, denn daS offenbare Vorwalten der im Gedichteerscheinenden Empfindung in dem Dichtenden wird nie in einem wahr-haft dichterischen Genius statt haben. Ein Catull steht überall überseiner Liebe: an Gegenstände, an Begebenheiten knüpfen sich seineFreuden und Leiden, bestimmt sind seine Hoffnungen und Wünsche, seinSchmerz ist von Selbsttrvst und Aufrichtung, seine verschmähte Liebevon Fassung, von männlichem Stolz sein Kummer über die Untreueseiner Lesbia begleitet. Spielt unklar die zweispaltige Liebe mit seinemHerzen, und er schwankt zwischen Haß und Neigung, so spiegelt dasnicht sein Lied so ab, daß seine Empfindungen wider seinen Willengleichsam sichtbar werden, sondern er kennt diesen inneren Streit, ersucht seine schwer erklärliche Natur zu schildern. Diese Klarheit derpoetischen Gestaltung macht hier alle Wirkung; die sinnlichere, obgleichnicht gemeine Natur seiner Liebe könnte sie nicht machen. Fast allepoetische Wirkung aber, die die deutschen Gedichte machen, schreibt sichvon dem Antheil her, den jeder Fühlende oder Liebende an dem Fühlen-den oder Liebenden nimmt, jeder Traurige an dem Klagenden, jederFreudige an dem Frohen; es ist die innige warme Empfindung,, derreizende Stoff, der kindliche Ausdruck offener Herzen, der uns gefällt;allein in der Dichtung soll nicht der Stoffund die Empfindung wirken,sondern die Form und die Einbildungskraft.
Aber noch haben diese Dichter, so weit man aus diesen Liedernschließen darf, keinen Begriff von Kunst: was sich selbst unter ven