Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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329
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Minmgescmg.

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Amazonen der Sculptur. Wie wenig erfahren wir von diesen Dichtern,deren ganzes Leben dem Dienste der Frauen gewidmet war, über dasWesen der Liebe und ihre verborgeneren Eigenschaften, wie wenig überweibliche Natur und Sitte. In Griechenland, wo sich das Weib in soungünstigen Verhältnissen sah, welchen Tiefblick hat nicht der EineHomer selbst in den bloßen Umschreibungen der verschiedensten weib-lichen Charaktere bekundet!

Diese Gegeneinanderstellung will nicht sagen, daß die Minnepoesieunserer Ritter ganz arm an Zügen sei, die der Natur mit Glück abge-lanscht sind. Weil eben dies feine Gefühl herrscht und dauert, so ist esinnig und weit; weil ihre weltliche Liebe so nahe Verwandtschaft mitder himmlischen zu der Gottesmutter hat, so ist sie heilig und hehr; weildie Dichter in ihrer größeren Empfänglichkeit keinen starken gröberenReiz ertragen, halten sie sich mit ihren Gesängen von dem wirklichenLeben fern, schwärmen ganz in ihrer unendlichen Empfindung, schwebennur im Allgemeinsten, kennen im Walde nur Einen Baum, unter allenVögeln nur die Nachtigall, unter allen Blumen nur die Rose, im Som-mer den Mai, auf dem Anger den Klee, an der Geliebten den Mund,der ihren Grüßen und Küssen die rosige Farbe mittheilt. Sie halten sichin sinniger Versenkung, aus der ihr vorübergehender Jubel sich nur mäßigaufschwingt; sie schwelgen in der Erinnerung an schöne Stunden undEin solcher Tag der Gunst ihrer Geliebten (den der von Reifen Leid-vertreib nennen möchte) gibt ihrer stillen Nachempfindung Stoff anslange Zeiten und zu Hunderten von Liedern. Dies gibt ihrer Lyrikeinen Zug von Stetem und Sanftem, und dadurch im Gegensätze zu denlyrischen Epen einen Anstrich von Epischem; der sonst ganz persönlicheAffect der Liebe ist hier gleichsam ein nationaler. Im Allgemeinen istglücklich die verborgenere und rückhaltendere Liebe des Weibes gegen diezudringlichere des Mannes, aber jene nur zu grell, diese zu matt ge-schildert; man merkt die ideellere Natur des Weibes in dem Abweisender sinnlichen Begierden des Mannes. Ist einmal des Mannes Neigungbefestigt, so ist das Vernachlässigen anderer Frauen ihm eigen; dasWeib sieht neben dem Manne ihres Herzens die Aufmerksamkeit derAnderen noch gerne; obgleich sie wärmer ihr ganzes Leben an das Ge-fühl der Liebe und den Gegenstand derselben knüpft, so behandelt sie esgleichwohl nicht mit dem heiligen Ernste und der feierlichen Innigkeit,die dem Manne in neuerer christlicher Zeit eigenthümlich ist: dies ist einvortrefflicher Grund, aus den jene ewigen Klagen in den Minneliederngebaut sind, nur Schade, daß man ihn hinzudenken muß, daß er nirgends