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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

die ein Grieche nie hätte schildern können, die auch mehr ist als dienatürliche Sprödigkeit des Weibes und an die Ucbertreibung diesesZuges erinnert, der in dem hohen Norden noch in den Sitten der Völkerheimisch ist. Den liebenden Männern fehlt hier die Erobcrungslust, siesind immer die Besiegten, mißtrauen sich selbst und verzweifeln am Ge-lingen; dies aber scheint ein verkehrtes Verhältniß, und daö stolze Ver-trauen und die Sicgeslust im Anakreon scheint der Natur näher und derKunst günstiger. Dieser tändelt mit seiner Liebe, aber er heiligt seineKunst; der Minnesinger heiligt seine Empfindung, aber er tändelt mitseinem Gedichte und spielt in Reimen und Worten und Tönen. JeneSelbstquälerei in der Liebe, wie sie hier in ewigem Klagen und Freuenbis zum Ueberdruß vorkommt, ist mehr Weiberart; der Mann quältsonst eher die Geliebte oder der Edlere fühlt sich über Mißtrauen unddergleichen erhaben, ist im Siegesbewußtsein eingebildet auf seinenWerth, und bricht stolz, wo er sich zurückgesetzt sieht. Das treue An-hängen an dem Einen Gegenstände der ersten Wahl, daö hier durch-gängig vorausgesetzt wird, ist ein weiblicher Zug, daö unstete Flatterndes Anakreon ist männlicher. Die Heiligkeit, die von der JungfrauMaria auf das weibliche Geschlecht überging, trug dazu bei, jene Scheuwenigstens im äußeren Verkehr im Manne aufrecht zu halten, von derder Grieche seiner Stellung zu dem Weibe nach nichts wußte; daher istfast nirgends bei den ritterlichen Sängern daö Feuer glühender Leiden-schaft. Es herrscht in ihrer Lyrik überall stille Glut; ihre hohen Liederselbst sind Erinnerungen voll Sehnsucht und Wehmuth. Gröbere Sinn-lichkeit und wahre ideelle Größe ist in der Liebe dieser Ritter selten ans-gedrückt; Beides ist dem Manne eigen. Das wahrhaft geschlechtlicheVerhältniß, wo das Weib nicht streng, sondern pflegend zu dem Mannesteht, nicht abstoßend, sondern nur weichend, nicht finster und streng,sondern heiter, ist hier nicht zu finden; bald ist das Weib hier abweisendund unbesieglich, bald dem Genuß rasch hingegeben. Die Ursache desEinen und den Weg zum Andern, was beides eigentlich der wahre Vor-wurf für die Dichtung wäre, erfährt man nirgends, als etwa im Tristan;diese Künstler wählen sich das Nnvortheilhafteste, sie schildern Wir-kungen ohne die wirkenden Kräfte, Erfolg ohne Anstrengung, so wie un-zählige Lieder eine Klage erheben, ohne daß man ein Hinderniß säheoder ein Leid. Die Weiber sind hier Männer in der Liebe, die Männersind Weiber. Im Epos werfen sich die Heldinnen ohne Weiteres gemeinweg, oder sie stoßen wie Männlinge ab und kämpfen und balgen; diegriechische Kunst aber überließ mit unendlich feinem Geschmack die