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Blüte der ritterlichen Lnrik und Epopöe.
schlossen, und ihren Stoff am reinsten und heiligsten in sich getragen hat.Was das Formelle betrifft, so ist die ganze reiche Kunst der Töne beiihm in das eine Sonett krystallisirt, das sich in der dichterischen Welterhalten hat, während Niemand zu den schwierigen, nicht weniger ge-künstelten Maßen der Minnesänger zurückgekchrt ist. Diese Form, nachder manche der Weisen unserer ritterlichen Sänger gleichsam hinringcn,steht mit dem allgemeinen Inhalt des Minnelicdes und mit den Em-pfindungen, die ihm zu Grunde liegen, in einem so engen Verbände,daß man sich daher wohl ihre Ansdauer erklärt. Sie spricht gleichsamjene unendlich glühende Sehnsucht des Herzens innerhalb der Schrankendes Kopses auö, weil hier so oft dem Herzen kein anderer Verkehr ge-stattet ist, als mit dem Bilde im Kopfe, indem kein sinnlicher Gegen-stand für eine sinnliche Liebe und den Erguß in sinnlichen Empfindungengegeben ist; es will eine innere Flamme über alle Schranken weg, unddiese Schranken bildet gleichsam die künstliche und scharfe Form desMaßes ab. Dieses Maß, das jene Flucht aus dem Besonderen in'öAllgemeine, aus der äußeren Umgebung in das Innere, aus dem leben-vollen Gelegcnhcitslied in daö eintönige Selbstgespräch sosehr begünstigte,legte sich natürlich jenem reineren Minnegesang an, der mehr die sinnigeals die sinnlicheLiebc schilderte; diese letztere ging klüger in den Schwanküber, dessen Boeaceio eben so Meister ward, wie Petrarea des platoni-schen Minncliedes. So rein diese Form bei Petrarca ist, so rein ihrStoff. Bei ihm dulden sich die Zweifel nicht, ob wir mit einer sinn-lichen Leidenschaft oder einem sinnigen Zuge desHerzenö zu thun haben:diese Entschiedenheit ist eben so sehr, wie ihr Gegentheil, der unver-lwlene sinnliche Licbcöschwank, ästhetisch besser, als das unbestimmteSchwanken zwischen Seelen- und Fleischesliebe, das in unseren Minne-liedern herrscht. Bei Petrarca gehören diese Empfindungen der Lebens-Periode an, der sie eigcnthümlich sind; mit dem männlichen Alter trat eraus diesen dunkeln Empfindungen heraus, und den patriotischen, tiefgebildeten, der Welt und des Buches kundigen Mann hören wir lieberseine mit dichterischem Bewußtsein geschriebenen Lieder über seineJugend-liebe vortragen, als unsere Ritter ihre minniglichen Freuden und Leiden,die den Schein gewinnen, als ob ihr ganzes Leben unnatürlich von demEinen Ringen und Jagen nach dem Preis der Minne wäre ansgefülltgewesen. Dies macht uns den ewig wiederkehrendcn Inhalt ihrer Ge-sänge zuwider, und wer auch ästhetischerseits sich mit ihnen vertrüge, derwürde leicht von Seiten des allgemeinen Eindrucks gestört werden, dendieser ganze Liebesverkehr auf uns macht.