Minncgesang.
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Minnegeschichte der Zeit, und die Entwickelung der Epopöen wird unsdenselben Weg führen. Ehe wir scheiden, werfen wir nur noch einenallgemeinen Blick ans die beste und reinste Seite des Minneliedes unddessen poetischen Werth zurück.
Jede lyrische Kunst liegt von Natur zwischen den zwei gefährlichenKlippen, daß sie entweder von wirklichen Empfindungen singt, die in derrichtenden Persönlichkeit herrschen, oder daß sie solche Empfindungenvorgibt. In diesem letzteren Falle war unsere nachgeahmtc Licderpocsieim 17., in jene»: war die Minnepoesie des 13. Jahrh. Ein gewisserpoetischer Strich lag über dem Frauenvcrkehr dieser Dichter, und diesglänzende poetische Leben wollten sie unmittelbar abschildcrn in ihremGesang. Allein das poetische Leben macht noch keine poetische Kunst,ja es scheint ihr ganz eigentlich cntgcgenznstehcn. Solche Zeiteneines gehobenen poetischen Lebens haben gewöhnlich Dichtung aberkeine Dichter, so wie es andere Verhältnisse und Zeiten gibt, die Dichterbesitzen aber keine Dichtung. Die Hand, die von Leidenschaft zittert,kann nicht über die Leidenschaft schreiben. In der Nähe des Gegen-standes läßt sich kein Gemälde aufnehmen, und jene Zeit hatte auch nichtdie Bildung, sich, wie unsere neuere Literatur that, sagen zu können,wie man es anfangen müsse, um sich in eine Ferne zu rücken. In Italienaber, wo unter dem frühen Aufblühen städtischer Industrie und republi-kanischer Formen das Nitterthum und seine Eigenheiten immer in einegewisse Ferne gestellt war, und wo das Studium der Alten früher einekünstlerische Bildung reifte, konnte man sich bequemer aller der Vortheilebemächtigen, die die frühere Dichtung der Franzosen und Deutschen nach-wies, aber nicht benutzte, au die Hand gab, aber nicht selbst gebrauchte.So wie Ariost und Tasso im Rufe der Welt die ganze erzählende Nittcr-poesie verdunkelten, mit eben denselben Werken, die ohne die Vorarbeitender ritterlichen Erzähler nicht da sein würden, wie die ganze französischeDichtung des Mittelalters nur eine Vorschule für diese großen Italienerward, welche auf ihren Häuptern fast allein den Ruhm versammelthaben, der ganzen Jahrhunderten vor ihnen dem Stoffe nach zugesprochenwerden muß, so steht Petrarca mit seinen Dichtungen auf der Höhe desMinnesangs, und an seine Liebe und seine Klagen blieb vielfache Er-innerung oder dunkles Vernehmen auch da, wohin nie ein Lied oder einLeich der Franzosen und Deutschen drang. Dies behauptet nicht, daßseine Sonette und Canzonen überall vorzüglicher seien, als die Liederund Leiche der Minnesänger, allein im Allgemeinen kann mau sagen,daß er in dieser Art Dichtung die formelle Gestaltung vollendet und ge-