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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
ihm Thränen und Blut ansbricht. Daun erhält er endlich Erlaubniß,sie zu besuchen; er erscheint erst als Aussätziger verkleidet, mit einer.Wurzel im Mund, die bleich und geschwollen macht. Als er am Zielseiner Werbung zu sein meint, nimmt die ganze bisher bitter ernsthafteErzählung eine gemein komische Wendung; ein possenhafter Fall bringtden Ritter um die Frucht seiner Dienste; er will sich ertränken; alleinein Kissen, das ihm ein Knappe von seiner Frau bringt, heilt ihn nochein wenig von seiner Tollheit. Von da an verläßt er sic jedoch und wid-met sich einer anderen. Ein solches Gedicht konnte bei uns Lobpreisungenernten! ein Liebespaar, wo ans der Seite des Weibes nichts ist als einehöhnische Laune und ärgerliches Spiel mit dem Gimpel, der sie zu seinerGebieterin schwur, und ans der Seite des Mannes, der sein Eheweibzu Hause hat, wie seine Geliebte ihren Mann, nichts als Unzucht undunsittliche Werbung einer sinnlich begehrlichen Natur und Streben nachrohem Genüsse. Dazu kommen dann die ekelhaften Opfer und die Wun-derlichkeiten deö aSeetischen Minnedicnstes, was dies Kunstwerk vollendsaufs häßlichste entstellt. Ein solches Herzensleben ist nur dann vonInteresse, wenn es ans HerzenSrcinigung hinausgeht, wie in Dante'Sneuem Leben, wenn nicht die Abenteuer eines gewürfelten Weiberjägers,sondern die sinnigen Träume eines unschuldigen JnnglingS der Gegen-stand der Erzählung sind. Und selbst dann, wenn alle jene heiligen Ge-fühle und träumerischen Regungen, alle Feierlichkeit, mit der man siepflegt, alle Selbsttäuschung mit der man sich quält, geschildert werdensoll, muß „Vernunft bei der Liebe schon in solcher Jugend, und sie mußMeisterin der Leidenschaft sein"'^). Bekommt man schon hier von derplatonischen Gedankenliebc dieser RittcrSlcute einen schlechten Begriff,so noch mehr in Ulrichs zwei Jahre später (1257) geschriebenen Franen-bnche. Dies ist ein Gesprächstnck (gegenseitige Klage der Frauen undMänner), wie wir sie bei dem Stricker, in Form und Inhalt gleich,näher kennen lernen. Hier wird die Vernachlässigung der Frauen durchdie rohen blos der Jagd und dem Wein ergebenen Männer beklagt, dieUnsitte der Frauen, ihre feile Minne und die Sodomie der Männer auf-gcdeckr^). Von den ersten zarten sinnigen Minneliedern bis zu diesemPunkte übersehen wir in unseren Andeutungen den ganzen Verlauf der
32?) Dante in der vUa nuova.
323) So auch bei dem Stricker, und vergebens wird also S. Helbling dies leug-nen. S. Karajan zum Frauendienst p. 676.