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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
auch bei Boppo und Steimuar der Uebermuth der Frauen und das Ge-lübdewesen verspottet. Anderswo spricht sich die Richtung gegen dieernste feierliche Minne in Lied und Roman darin aus, daß Tanhäusermit großer Belesenheit ganze Schaaren von Romanheldinnen, von wirk-lichen und geträumten Ländern und Loealitäten der Romane anführt,die er gegen seine ländlichen Tänzerinnen und seine wohllebige Gegen-wart verschmäht. Auch seine Poesie deö Unsinns zielt hierhin, dieLügeumährchen^), die doch wohl eine Parodie des Unglaublichen sind,dessen die epische Literatur so Vieles brachte, oder auch nach einer Stelledes MarnerS ein Spott auf verbreitete Lügensagen und Mährchen inder wirklichen Welt. Wenn uns der frühe Abfall von der hochtrabendenManier der Minnedichtung zu dem Schwank- und Spaßhaften im Tan-häuser auffallend scheint, so dürfen wir nur einen Blick auf den ernsten,eß- und trinklustigeu Minnehelden Ulrich von Lichteustein werfen, dereben dieser österreichischen Zeit und Literatur angehört, um dies sogleichganz begreiflich zu finden. Er lehrt uns am besten, wie bald der Miune-dienst ins Abenteuerliche ausartete, der Minnegesang feine erste Be-deutung verlor, wie Sinn und Gefühl aus dem Frauenumgaug undGeschmack aus der Dichtung schwanden.
Ulrich v on Lichten stein <P 1275 oder 76) ist der Minnesinger,von dessen Leben wir am meisten wissen, eine geschichtlich berühmteFigur, dessen äußere historische Verhältnisse uns einen Blick aus die poli-tischen Zustände in Oesterreich in einer Zeit reicher Bewegungen thunlassen, so wie seine Gedichte^") auf die höfischen, ritterlichen, poetischenund minniglichen Dinge. Ottokar (von Hornek) war sein Freund undliefert uns die geschichtlichen Angaben zu Ulrichs Leben; eine Reihe vonritterlichen Sängern lassen sich äußerlich an ihn anknüpsen, die ihm be-freundet, oder die mit ihm bei Rudolf zusammen waren: Herrand vonWildonie, ein Steiermärker wie Ulrich, von dem auch Schwänke erhaltensind, deren einen ihm Lichteustein erzählt hat^'); der von Scharfen-berg; vielleicht auch die von Sunecke und Stadegge, und der SchweizerKonrad Schenk von Landegge. Ulrich selbst schrieb sein ritterliches Lebenin einem Gedichte unter dem Titel Fraueudienst (1255 vollendet), und
319) Tanhänsers Lieder schließen mit einem Stücke dieser Art, und diese Zeltenzeigen dergleichen zuerst, was sich weiterhin in den Schwänken von der verrückten undverkehrten Welt sehr verbreitet findet.
320) Vrorven dienest. Hrsg. v. Lachmann. Berlin 1841.
321) Er ist in von der Hagen'S Gesammtabenteuer gedruckt. Vier Erzählungenvon ihm hat Bergmann, Wien 1841, heransgegeben.