Minnegcsang.
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schönsten; außer Burkart von Hohenfels hat deren Niemand lebendigereund schönere gemacht als der Tanhäuser, und der bewährte Ruhm derOesterreicher im Fache der Tanzmusik wird sich als alt und lange verdientHerausstellen lassen. Ueberall tragen diese Tanzlieder jene behaglicheSinnlichkeit, jene gutmüthige Schlüpfrigkeit an sich, die den Anspruchmacht nicht verargt zu werden. Dabei ist die ganze Manier im schärfstenGegensatz gegen die ernste Minnedichtnng; hier wimmelt z. B. alles vonFrauennamen, die dort so vorsichtig vermieden werden. Alles was sichmit dem Tanzlicde berührt, trägt dieselbe Art. Hadlanb in seinen losenErnteliedern, die wie die Festlichkeit selbst einen ganz freien Charakterhaben, in seiner Hirtentenzone, die wie ein knorriger und wilder Ncben-schößling der französisch-italienischen Schäferdichtung sich ganz sonderbaransnimmt, in seinen Liebschaften zwischen Knechten und Mägden;Steinmar in einem ungemein rohen Tageliede, wo des Hirten Rnf einenKnecht bei seiner Dirne weckt; Tanhäuser in seiner parodischcn Anwen-dung französischer Wörter, Alles arbeitet auf das Hcrabziehcn pathetischbehandelter Gegenstände ins Gemeine und Burleske hin. Das eigent-liche Minncwesen kommt bei diesen Männern nicht besser weg. Zwarwerden die Minnclieder gerade dieser Dichter nicht so flach, wie beianderen, doch aber bringt die Gedankenlosigkeit oft auch schon bei Tan-hänser jene prosaische Vcrsmacherei, jenes Znsammenreihen von Wortenund Reimen hervor, die ganz ohne rhythmischen Sinn in höchst unmusi-kalische Tone gebracht sind. Eigenthümlich ist Hadlanb durch einen ge-wissen Körper, den seine Liebeslieder tragen: es ist hier ein eigentlicherLiebeSvcrkehr, eS gibt hier poetische Lagen, die uns thcilweise ansprcchcn,das ganze Lied verliert das Unbestimmte und Nebelhafte und wird in-haltreicher; die Empfindsamkeit tritt unserem Geschmacke näher. BeiSteinmar ist der Minnedienst ganz ins Bäurische hcrabgezogen, manwirbt hier um gemeine Dirnen, die nach Kraute gehen, mit Geschenkenvon Schuhen und Linnen. Ebenso zieht der Tanhäuser den Liebesdienstherab: „er erzählt, wie er sie ans blumiger Haide, im Walde getroffen,mit ihr gckoset und gcthan habe, wie man den Frauen zu Palermothnt"^). Oft übertreibt er verspottend die alten Abenteuerlichkeitender Frauenbewcrbung: Er möchte seiner Geliebten einen Berg aus Ga-liläa bringen, ans dem Adam gesessen, als einen allerhöchsten Liebes-dienst; sie verlangt von ihm einen Baum aus Indien, und den Gral,und Paris' Apfel, Venns' Mantel und Noah's Arche. Aehnlich wird
318) Von der Hagen, im Leben des Tanhäuser. Minnesinger 4, -429.Gcrv. d. Dicht. I. Bd. 21