Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
319
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Minnegesang.

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Schlägerei unter bestimmt benannten Bauern noch besser erreichen; mankann daö Achnliche in schwedischen und schottischen Volksdichtcrn wieder-findcn. Benecke vermuthcte, daß glücklich erfundene Melodien diesenLiedern ihren Hauptrciz gegeben haben möchten, die der Dichter beimTanze vorsang, ein Amt, das selbst die österreichischen FürstcnLeopoldVII.und Friedrich II. nach den Zeugnissen Enenkel's, Nithart'S und des Tan-hänsers nicht verschmähten; so hoch kam der lyrische Frohsinn an dieserStätte hinauf oder herab. Jene Vcrmuthnng Bcnecke's mag daher sehrwohl begründet sein; cs kam dann anfdcnSinn oder Unsinn, denWcrthoder Nnwerth der Tertc nicht so viel an; und ein Walther möchte viel-leicht über diese Nithartschcn Lieder gcurtheilt haben, wie Dante über dieBalladen der Provenzalen, daß sie nicht so viel Ehre brächten, wie dieLieder, die des begleitenden Tanzes nnd Spielzeugs entbehren könnten.Dennoch war auch der Inhalt gerade der Nithartffchen Gesänge gleichAnfangs sehr im Preise nnd stieg darin nachher mit der Vcrbancrung derZeiten und Sitten immer mehr. Die Ritterslcnte rühmten ihn wegenseiner Verspottung der rohen Ucppigkeit nnd der Ucbcrhebnng der Bauernüber ihren Stand, was bald ein stehender Artikel der Satire ward. DerderbeGcgensatz gegen das subtile Minnclied gefiel; eine Reihe von Nach-ahmern wie Goeli, Stamheim, Geltar, Kirchberg und Scharfenberg grup-pirtcn sich um Nithart her; unter seinem eigenen Namen schwärzten sichNachbildungen ein unter seine Lieder; bald ließ man ihn den Bauerngegenüber als einen Possenreißer anftrcten, der sie mit Streichen nndSchwänken neckt und quält; seine Person ward mehr nnd mehr sagen-haft zu einem Hofnarren unter Otto dem Fröhlichen nmgebildct; undsein Name erhielt sich so mit ächten und falschen Liedern und Schwänkenbis ins 1l>. Jahrhundert lebendig.

Zn Nithart gehört untrennbar der Tanhänscr, der gleichfalls einBaier und in Oesterreich wohl bekannt ist, und der seinen Preis zwischenFriedrich II. von Oesterreich und Otto II. von Baicrn theilt, unter demer in Nürnberg schöne Zeiten gehabt hat, die ihm später verloren gingen,wo seine guten Bekannten Seltenrcich, Unrath und Schaffenichts sind.Auch er scheint die Zeiten Rudolfs vou Habsburg nicht mehr erlebt zuhaben, doch schlägt er einen Ton an, der sehr deutlich die Zeit desVerfalls der Miunedichtung und der alten Innigkeit des FrauenvcrkehrSankündigt, so daß sich ihm spätere Dichter wie Steinmar und Hadlaubnäher rücken in Manier und Sinnesart, als die früheren. Wir gleitenbei ihnen aus dem seinen höfischen Leben der Ritterschaft immer mehr inein gemeineres herab, was sich überhaupt in der österreichischen Dichtung