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1 (1853)
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Blute der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

hat, treibt cs an seiner Hand zur Linde zu springen, ihm ein Kränzchenbeim Tanz zu geben, ihm ihren Ball znzuwerscn; sic gehen nach wei-ter^), und in diesen Fallen spielen die derben Züge einer handgreiflichenLiebe herein, wie sic bei Hcrbort van Fritzlar, wie sie bei österreichischenErzählern, bei Enenkel und Aehnlicben öfter begegnen. Ganz im Gegen-sätze zu diesen Sammerlicdern singen dann die Winterlieder nur van Miß-lingen und Unglück unter dem Nachstelten Vcr Bauern. Dies Leid leitetder Dichter aus einer vergangenen Zeit ab, seit der Baicr Engelmar, dersich dem höfischen Ingesinde ebenbürtig zu stellen strebte, seiner Fride-rune ein kostbares Elfenbeinspiegclchen zerbrach; seitdem lassen die Engel-marc in Oesterreich, die üppigen Dörper, die graben Bauern, die in jedemLiede in neuen Gestalten auftrctcn, nicht ab, ihn beim Tanze zu ver-drängen, ihn auf den Schemel zu setzen, ihm zu widersagen wegen seinesüppiglichcn Sanges; Neid und Eifersucht grollt in dem Dichter, der sichdann über den LnrnS der Bauern ergießt, und sich freut, ihre Tölpeleidem Spotte prciözugcben, wenn ihre Rohheit zu Schlägereien unterihnen selbst ansartet. Neuerdings ist versucht worden^), diese ganzebäuerliche Bühne nur allegorisch aufzufassen und unter den Bauern nurtölpelhafte Gesellen deS höfischen Kreises zu verstehen, die der Dichterverspotte. Aber daß die höfischen und bäuerlichen Kreise sich auf länd-lichen Festen begegneten, der Ritter sich zur Baucrndirnc hcrablicß, derreiche Bauer iu ritterliche Gesellschaft empordrängtc, daß die Wirklichkeitdie Grundlage d'icscr Dichtungen ist, daran lassen die Erzählungen vondem aufstrebenden Bauernstände nicht zweifeln, die wir alsbald geradevon Oesterreich werden ausgehcn sehen. Nur kann freilich bloS von einerallgemeinen wirklichen Grundlage die Rede sein; Niemand wird dieAdelheiden und Udelhilden in den Svmmerliedcrn für lauter wirklichePersonen halten, noch in den Winterliedcrn all den einzelnen Spaßvcr-derb der Bauern für wirkliche Thatsacheu. Diese Lieder waren Tanz-lieder, dies muß ihren seltsamen Inhalt wesentlich erklären. Die Häufungbarocker Namen und Gegenstände in halbsinnlosen Texten sind in solchenTanzliedern im Süden noch heute ein beliebter Scherz; den Zweck derBelustigung, den in neapolitanischen Tarantellen die Benennung einerMahlzeit mit zahllosen Gerichten erreicht, kann die Beschreibung einer

314) Benecke a. a. O. II. -450. <Ier vvuolis von siaein reie» üt i» rveiii>iel,

u»t genau ei» Ici»i, Mir liier si Meiii^iel,als» lei'Ie er si llen simpel gempel.

315) N. v. Liliencron in Haupts Zeitschrift 6, 69. ff.