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1 (1853)
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296
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296 Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

heimischen nur eines andern Standes. Wir sagten, daß in dem Minne-liede zuerst die Dichtung in die ausschließliche Pflege des Ritterstandesüberging. Mitten in den großen literarischen Gährungen des Jahr-hunderts aber, in dem sich dieser Uebcrgang entschied, trat noch ein letztesMal die Geistlichkeit wie zur Mitbewerbung, ja wie zur Gebietsbestrci-tung, mitten aus diesem Gebiete der lyrischen Liebesdichtung auf, diedem Standcso unangemessen war, und dies zwar in lateinischer Sprache,die dem Gegenstände so unangemessen schien. In den Zeiten, wodas Cölibat noch nicht eingeführt, und jetzt wo der Sieg desselben nochnicht schneidend entschieden war, war cs oft und viel der Lieblingögegen-stand lateinischer Dichter gewesen, in Tenzoncn die Frage entscheiden zulassen, ob des Klerikers oder des Ritters Liebe die vorzüglichere sei. Jetztschien diese Frage ganz im Großen durch einen dichterischen Wettkampfder beiden Stände in der erotischen Lyrik ansgcfochten werden zu sollen.Als Ausgangspunkt der lateinischen Minnedichtung der Geistlichen läßtsich die Geschichte Abälard'ö (h 1142) und Helmsens angcben, die fürdas ganze Vcrhältniß der Geistlichen zu den Frauen bezeichnend ist undin ihrem Verlause ein verhängnißvolles Sinnbild ward für den Ausgangdes fraglichen Streites beider Stände. Abälard's metrische und rhythmi-sche Liebeslieder entstanden gleichzeitig mit der provcnzalischen Lyrik, undwaren nach seinem eigenen Zeugnisse lange Zeit im Munde der Men-schen. Sein Schüler Hilarius setzte diese Kunst fort und gegen Ende des12. Jahrh. gab es in Frankreich, wie es scheint, eine ganze Schule kleri-kaler Dichter lateinischerLiebeögesänge, von denen uns Pierre von Blois,Etienne und Berthiec von Orleans, Walther von Chatillon oder Lille,der schon oben genannte Verfasser der Alerandreis, genannt werden: inseiner Grabschrift sagte dieser von sich selbst, daß ganz Gallien von seinenLiederweisen widerhallt habe^ch. Diese leichten weltlichen Dichtungensind meist verloren; sie wurden als des Standes unwürdig geheim ge-halten und wohl oft verleugnet, und sie würden vielleicht gänzlich ver-schwunden sein, wenn sie nicht gleichzeitig ein ernsteres und viel bedeu-tungsschwereres Seitenstück lateinischer Poesie erhalten hätten, mit undneben welchem einzelne Proben jener profanen Dichtung leichter ausdauernkonnten. Die ungeheure Anmaßung des römischen Hofs hatte in denZeiten der kräftigen Friedrich I. und Heinrich II. einen mächtigen Wider-

290) Oll lüei'II, pvssies poj>ul»we8 latines Ou mo^ee i>xs. 1847. p. 149.Insul» (-INIle) me xellllit, rllpuit 6»8teUio llvmen,pei^respuit molluli8 Kiülia tola mei8.