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1 (1853)
Entstehung
Seite
295
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Minnegesang.

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jene Wiener Meerfahrt-8b) von demFrcudeleeren" für ein plumper Witz!oder wenn sie in ihrer Anlage ein fruchtbarer Schwank sein sollte, welchein plump behandelter Schwank! Bezeichnender ist der Weinschwclg^),das Selbstgespräch eines Trinkers vor seiner Kanne. Es gibt nichtsEkleres als ein einsames Saufen, nichts was der Bestimmung des Wei-nes so sehr cntgegensteht, der die Herzen öffnen und die gemeinsame undlaute Freude erhöhen soll. Mit wirklicher Kunst (und allerdings so vor-trefflich , daß man das Häßliche übersehen kann) ist nun in diesem Ge-dichte ein solcher Alleinzecher geschildert, der in regelmäßigem Fortschrittseine Kanne vom Weine leert und mit Lobpreisungen füllt, bis er zuletztseinen schwellenden Körper muß in Eisen waffncn lassen, um der Machtdes Getränkes zu widerstehen, worauf er zuletzt, nachdem das Unmöglichebereits geschehen war, nach dem wiedcrkehrcndcn Refrain, erst eigentlichanhebt zu trinken. So überraschend einfach und ruhig, im Ton der ächte-sten Ironie, dies kleine Gedicht gehalten ist, so sieht man doch, daß nurin einem Stande, der die freien Künste der männlich lustigen Gesellschaftnicht kannte, sondern blos Hoston und Franenkrcise, ein solcher Stoff sobehandelt werden konnte, da dieses lästerliche stille Zechen sonst nur untergemeinen Weibern gefunden wird und so von Aristophanes verspottetwurde. Von eigentlicher Männlichkeit findet sich aber in der Kunst derTroubadours sogar wenig, obgleich viel mehr als in unserem Minne-gesang, den auch Grimm eine frauenhafte Kunst genannt hat. WelchWunder ist's dann, daß dieser Minnegcsang aller der Lebcnskenntniß,der Frische und Freiheit und der heftigeren Leidenschaft entbehrt, den dieprovenzalische Lyrik an sich trägt? welch Wunder, daß er dem kräftigenmännlichen Geiste nicht znsagt, daß er erschlaffend wirkt, daß er eine vor-bereitete Stimmung bedarf, che er überhaupt wirken kann.

Wenn diese Vergleichung unseres Minnegesanges mit griechischerund provenzalischcr Dichtung zu weit hergeholt, oder unsere allgemeineSchätzung desselben zu streng scheinen sollte, so können, ja müssen wirnoch eine dritte, ganz naheliegende, unserem Gegenstände selbst fast un-ausweichliche Vergleichung hinzufügen, die zu noch strengerem Urtheilestimmen wird: die Vergleichung der ritterlichen Minnedichtung nicht mitder von anderen Zeiten und Völkern, sondern mit der gleichzeitigen, ein-

288) Ausg. von K. Schädel 1845. Auch in v» d. HagenS Gesammtabenteuer.Nr. 51.

289) In Grimms altdeutschen Wäldern 3, 13 sf. Ein (viel schwächeres) Seite»-stnck, der Weinschlund, in Haupt'ü Zeitschr. 7, 405.