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1 (1853)
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.Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

Unter Tausenden von Liedern unserer ritterlichen Minnesänger, unterallen Erzeugnissen eines ausschließlich kriegerischen Standes in Deutsch-land ist nicht Ein Kriegslicd! kaum Ein Lied, in dem die kriegerischeTugend des Ritters gepriesen wäre! Viele Krcuzlicdcr, die zu der heili-gen Wallfahrt auffordern, aber keines, das es auö kriegerischem Triebethätc! Und wer gibt nicht, wenn uns Bertrand de Born, demwohl auch die Frühlingsblumen und der Vogelfang lieb sind, aber lieberdas Kampfspicl, das Schlachtgcschrei, die wiehernden Rosse und die fal-lenden Feinde, wer gibt nicht, wenn uns dieser ein kriegerisches Liedsingt, die LiebeSklagen unserer Minnesinger zu Hunderten dafür hin?So ferne liegt das Nächste in der wirklichen Welt unseren träumerischendeutschen Meistern, so sehr vergessen sie aller männlichen Tugend, umsich in Selbstguälereicn aufzureibcn! Alles was der Provcnzalen äußeresLeben bewegte, spiegelt sich in ihrer Kunst; nur weniges davon unterden Deutschen. Von Kriegslast, von Wetteifer, von Vasallentreue, vonRitterpflicht singt dort Jeder, der die Saiten zu rühren weiß; von Stan-desstvlz und Haß gegen andere Stände- glühte Castelnau, von Zorn überJuristen und Prälaten Bonisaz von Castellane, von Eifer gegen Romund den Pabst Figucira. In Deutschland beschweren sic sich, daß mansic nicht an den Hof zöge, aber was sollte man in einem Kreise, der zuhandeln und nicht blos zu singen hatte, mit diesem Gcschlcchtc anfaugen?Aber in der Provence mußten sic an den Hof und ins Leben gezogenwerden. Denn dort bcnrtheilten sie jede öffentliche Handlung, drängtensich mit ihren Sirvcntcs in alle Verhältnisse, nahmen mit wüthcndecLeidenschaft Partei bei allen politischen Fragen, bildeten die öffentlicheMeinung, machten ihren Rath und ihre Gunst wünschenswertst und ih-ren Zorn gefürchtet, und nichts kann dort die politische Geschichte erzäh-len, ohne auf ihre Bedeutung und Wirksamkeit zu stoßen. In Deutsch-land kann diese Geschichte sie, fast nur mit Einer Ausnahme, gar nichtgebrauchen; den eigentlichen Minnedichtcrn, die in der eigentlichenBlütezeit der ritterlichen Lyrik die große Masse ausmachen, und vondenen wir hier allein zu reden haben, sind die Sirvcntcs, ist die Ein-mischung in das öffentliche Leben fast ganz fremd. Gegen einen oder zweiHöfe in Deutschland sind in der Provence die Schützer der neuen Kunstzu Huuderten, und man sollte meinen, unter so vielen Gegensätzen undAehnlichkeiten der neu- und altdeutschen Entwickelung dcrDichtnng müsseman auch die hervorhcben, daß wie damals das Fremde in Allem über-wiege, so auch der Hohcustaufeu Neigung nach dem Süden eben so vielgeschadet hätte, wie in der neuen Zeit des großen Friedrich Vorliebe für