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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
den Verehrern und Pflegern des einen und der anderen hervorbrachte.Wie konnte sich unter diesem Wechseln, diesem Schwanken , unter die-sem ewigen Unfrieden ein Epos gestalten, das Ruhe, Besonnenheit undselbst eine gewisse Gleichgültigkeit fordert, die aus der Vergangenheitder erzählten Begebenheiten und dem Mangel an unmittelbarer Teil-nahme fließt! wie konnte sich selbst eine Lyrik gestalten, die überall dasBesondere liebt und Mannichfaltigkeit sucht, während sie sich hiervonjener Einen Stimmung der ganzen Welt und des ganzen Geschlechtes,jener Stimmung zwischen Freude und Leid bestimmen lassen muß!
Diese Stimmung trägt vielleicht jede Zeit, die eine lyrische Dich-tung pflegt. Aber man betrachte doch, wie sie nicht nur in Südfrankrcich'unter den vorhin angegebenen günstigeren Geschicken ward, man haltedagegen die Zeit, wo Griechenland seine Lyriker und seine Dramatikererhielt, eben die Zeit, wd cs, auö seiner Vergangenheit in seine Gegen-wart rückend, seine umgebenden Verhältnisse besang, wo eS ans kleinenBestrebungen in Weltereignisse übcrtrat, und man erwäge, welch einanderer Gesang aus den anderen Verhältnissen werden mußte. Die da-maligen Kreuzzüge waren ein Kampf für Vaterland, Hcerd, Weib, Kindund Götter und Recht und Sitte: von all dem klingen noch heute dieDichtungen in den wenigen Resten wieder, die wir übrig behielten. Diedamaligen Riesenkämpfc fingen mit rechnnäßiger Vcrtheidigung an undendeten nach nicht allzulanger Zeit mit Ilmsturz des persischen Reichs,während die Kreuzzüge ausgingcn von fanatischer Eroberung und ende-ten mit dem Verluste des Orients und Griechenlands; ein einziger Zugnach einem ungeheueren Erfolge dort, und hier ein einziger Zug nacheinem furchtbaren Unglücke. Damals kämpfte Griechenland mit demWeltreich des Ostens: weit entfernt den Gegner gering zu achten, wiedie Europäer die Sarazenen, bewunderte es seinen Glanz, fürchtete zag-haft seine Macht und überschätzte ihn in Allem. Weit entfernt, einemverachteten Gegner zu unterliegen, errang cs über den gefürchteten dieglorreichsten Siege; weit entfernt, im Unglück verzagen zu müssen, wiedie Christenheit unter den Siegen der Türken that, häufte es Ruhm aufRuhm, und was bewundernswertster ist, es lernte nicht sich seiner Kraftund seines Glückes.zu übcrheben, sondern der furchtbare und unerwar-tete Sturz der persischen Herrschaft hatte auf die Hellenen einen so ge-waltigen Eindruck gemacht, daß sie aus dem Unglück der Feinde vielmehrBelehrung, als aus dem eigenen Glücke Uebermuth zogen, daß dieScheu vor der neidischen Gottheit und die große Erfahrung, wie Gottdem Menschen das höchste Glück oft zeigt, um ihn tiefer zu stürzen, über