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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Welt an der Dichtung vom Reinhart Fuchs sehen. Allein das heroischeEpos des Mittelalters hatte dies glückliche Schicksal nicht. Statt sichin sich selbst zu vollenden, sahen wir cS nach seinem ersten Entstehen ohneAnfhören sich erweitern und ganz gegen allen Vorthcil mit den Zeiten sosortrücken, daß wir eö bei jeder Umgestaltung mit der Gegenwart gleichstehend fanden. Das Epos, als eine Dichtungsart, die sich mit derVergangenheit beschäftigt, was ihr allgemeinstes und festestes Kennzeichenist, hätte darum eben stets aufdicVergangenheit gerichtet bleiben sollen;dann hätte sich Alles zur Klarheit geordnet, die erzählten Begebenheitenhätten sich lebendiger dargestellt, die Form hätte die Ruhe und daöGlcichmaaß der alten griechischen Gedichte sich wenigstens in einemhöheren Grade aneignen müssen. Allein mit dem jedesmaligen Fort-rücken der Personen und der Sitten in die Gegenwart der jedesmaligenUmarbeitcr mischte sich etwas von der Unruhe und der Bewegung ein,welche immer die Theilnahme an dem Gegenwärtigen mit sich bringt;es kam dadurch der lyrische und dramatische Charakter in daö neuereEpos, der den Werth desselben gegen das griechische so sehr herabsetzt.Ist die Vergangenheit das Element der epischen, so ist die Gegenwartdas Element aller lyrischen Kunst. Wenn wir nun fanden, daß selbstim VolkSepos, das vie ruhmvolle Vergangenheit der Nation zum Gegen-stand hat, das Wcgwende» von dieserVergangenheit sichtbar ward, ebenda, wo eS am wenigsten denkbar scheinen sollte; wenn wir uns erinnern,vaß auch aller fremde und alte Stoff in die neue und deutsche Welt ge-rückt ward: Karl der Große, das byzantinische Zeitalter, das alcrandri-nische, vas homerische, wo wiruns überall mehr oder minder grell zwischenalter Erzählung und neuer Auffassung sahen, so wird uns klar sein, mitwelcherMacht dieses Geschlecht in seiner ganzen Entwickelung der Gegen-wart zustrebte, sich der Gegenwart freute und nothwendig in einer Zeitso ungeheurer Bewegungen, wie die der Kreuzzüge, alles Alte herab-würdigeu und unter sich sehen mußte. Die größte Selbstgenüglichkcitmußte in diesen Zeiten vom Allgemeinsten bis zum Besondersten herabnothwendig herrschend werden. Seit der Völkerwanderung hatte eskeine großen Nationalkriege in Europa gegeben; man sah sich bald nurals Christen den Nichtchristen gegenüber; es gab keine Feinde, als imOsten Franken und im Westen Sarazenen; wenn altwalisische Gedichtedie neuwalisischen Sänger an die alten Volkskämpfe mit den Sachsenerinnerten, wenn französische Dichter von Karls Kämpfen mit den Sachsenerzählten, so hießen diese bei beiden schlechtweg auch Sarazenen; wennder trojanische Krieg noch fürder fesseln sollte, so mußten (wie in der