Minncgcsang.
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des ritterlichen Minncromans oder Epos und sind durchdrungen von den-selben Ideen; sie geben die Empfindungen, die die Handlungen jenerepischen Stoffe natürlich begleiten, abgeschieden für sich. Wenn wirnoch enger ans die Betrachtung des Verhältnisses der ritterlichen Minne-lieder mit den Ritterepopöen zurückgehen, die hier unsere Ausgabe ist, sofinden wir hier eine Durchdringung und Gleichmäßigkeit beider, eingegenseitiges Tragen und Erklären, wie vielleicht nirgends sonst. Wirfinden lyrische Eigenheiten und Eigenschaften im Epos, epische in derLyrik, beide entlehnt, beide in verfehlter Anwendung. Gesang und Er-zählung , Singen und Sagen ging um die gleichen Ideen um so mehr,als das ritterliche Geschlecht seine Gegenwart ganz in die epischen Stoffe,deren es sich annahm, hineingetragen hatte. Wir haben dies Wcgrückendes Epoö von seinem festenBoden vergangenerThateu, sein Vordrängenin die Ideen der jedesmaligen Zeiten, die es überkameu, schon oben ver-folgt. Wir haben gesehen, wie es im 12. Jahrh. unter den mächtigenEinflüssen einer großen ungeheuer bewegten Zeit, durch Vorstellungen,Thatsachen, Personen und Färbung, die die Gegenwart in die altenStoffe lose hincinflocht, gelitten; wir wollen jetzt sehe», welcherlei Ideennothwendigerweise unter den neuen Gestaltungen der Welt und Ge-schichte durch die ritterlichen Thaten im Orient und die neue plötzlicheGeistesbildung dieses Standes in aller Dichtung vorwalten mußten.
Das Zusammenrücken von Epos und Lyrik erläutern wir uns ein-fach aus den geistigen Richtungen der ganzen neueren Zeit. Es war dieBestimmung der neueren Kunst, das Innere des Menschen zu ihremhauptsächlichsten Gegenstände zu machen: die geschichtliche Stellung derneueren Nationen, die auf der Bildung der alten Welt ruhen, bedingtdies. Zu frühe lernten sich die germanischen Nationen vergleichen,erhielten durch das Christenthum eine vielleicht zu schwere Nahrung fürihren beschaulichen Hang, empfingen zu zeitig Begriffe und Vorstellungen,denen sie nicht gewachsen waren, verloren zu frühe das Zeitalter physi-scher Entwickelung und heroischer Kraftübung, und mit dieser die Er-innerung an eine große Vergangenheit. Die Völker der alten Weltlebten, so lange sie ihre gute Natur behaupteten, nur im Rückblick aufihr Alterthum, und ihre ganze Dichtkunst füllte sich mit dem Preis deralten Zeiten und der Thaten der Ahne»; die homerischen Gedichte lebtenfort in steter Erneuerung und gestalteten sich mit jeder neuen Zeit vor-theilhafter; indem sie Ein Stamm dem andern überlieferte und jeder sienatürlich nur in einer poetisch angeregten Zeit suchte und pflegte, soförderte dies nothwendig ihr Gedeihen ähnlich, wie wir es in der neuen