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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

Stande betrachten, schieben wir einen Abschnitt über die ritterliche Lyrikein, eine Gattung, innerhalb welcher wir zuerst die Pflege der Dichtungausschließlich auf diesen Stand übergegangen finden.

Alle Lyrik läßt sich in die zwei großen Hälften scheiden, nach denensic entweder an die epische und dramatische Dichtung angelehnt, oder anssich selbst ruhend erscheint, falls man diesen letzten Ausdruck überhauptvon einer Dichtungsart brauchen kann, die, wo sie am meisten unab-hängig ist, am innigsten sich mit der Musik verwebt, und in unver-künstelten Zeiten immer untrennbar von der Musik war. Auch jene ersteHälfte kann nur insofern lyrisch heißen, als sie gesungen gedacht wird;eine dritte Gattung lehrhafter Verstandespoesie, Sprüche, Räthsel, Sinn-gedichte u. dergl. konnte nur der Lyrik zugetheilt werden, weil man eineeigene Gattung lehrhaft-satirischer Dichtung nie klar abgeschieden hat.Jene episch-dramatische Lyrik erscheint am Anfang deö Epos als Rha-psodie überall nach der Erweiterung strebend, die ihr in der Epopöe zuTheil wird; am Ende der epischen Entwickelungen kehrt sie wieder undändert sich leise, nach Abschluß und Vollendung einer bestimmten Hand-lung strebend, in die Ballade und Romanze um, als welche sie die dar-stellende Dichtung, das Drama, einleitet. Ihre Form ist immer erzählend,ihre Richtung nach der Vergangenheit, wie sehr auch die Darstellungvergegenwärtigend sein mochte. Der andere, unabhängigere Theil derlyrischen Dichtung aber ruht auf der Gegenwart; die dichtende Persön-lichkeit theilt ihm die Farbe mit, es möchte auch Form und Darstellungnoch so episch oder auf die Vergangenheit gerichtet erscheinen. Auch dieseLyrik aber wird da, wo sie sich aus den Grenzen der Gelegenheitsdichtnugbewegt, wo sie sich ihrer selbst bewußt eine Kunstbildung in Aussichtnimmt, leicht an eine Gruppe von epischer oder dramatischer Dichtungangelehnt erscheinen. Nicht mehr, um deren erste Anfänge zu bezeichnen,sondern vielmehr ihre höchste Spitze; nicht mehr, um die ersten Keimeder Materie zu pflegen, sondern um die Blüte der Ideen zu pflücken, diein dem EpoS enthalten lagen. Unsere Lyrik in Deutschland hat sichimmer so an die übrige gangbare Dichtung angelehnt; ihr fast aus-schließlicher Gegenstand war immer die Liebe, jener Mittelpunkt, um densich auch Epos, Roman und Drama beständig bei uns drehen muß.Das gemüthlich-unsinnlichere Liebesgedicht des 18. Jahrhunderts, dasgeistig-unsinnliche des 17., das gemüthlich - sinnliche des 16. und dasmehr geistig-sinnliche des 13. Jahrhunderts entsprach jedesmal mit diesenEigenschaften der Bildung des Romans oder der Epopöe, neben der essich aufpflanzte. Beide letztere Gruppen lagern am Anfang und Ende