282 Ucbcrgang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
Stelle, die deutlich zeigt, wie schwierig die Anfänge der Dichtung injenen Zeiten selbst für gelehrtere Schreiber waren. Er findet dortsV. 14150) eine schwere Rede in seinem Texte, an deren Ucbersetzung ersehr ungerne Hand legt, wie auch Ware und die ersten TrouvercS manch-mal über Schwierigkeit des Uebersetzens klagen. Die Scham aber,seines Vorgängers Text zu verlassen und die Furcht vorVorwürfen übcr-wiegt und bewegt ihn, sich an die harte Arbeit zu machen. Diese schwereRede ist nichts, als ein geographischer Abschnitt, aus VechKoSmographiedes Julius Honorins entlehnt, eine kleine Abhandlung über den Oeean,die Erde, Länder und Flüsse, im Grunde ein sehr einfaches Ding, dasman wohl allerdings, wie Herbort sagt, hier hätte entbehren können,das aber doch auch einem Anfänger, der sich Dichtens versnchen'wollte,keinen Anstoß und keine Schwierigkeit hätte machen müssen. Unser Her-bort hat aber auch wirklich wenig Beruf zum Dichten und es ist Schade,daß damals und im ganzen Mittelalter die Ansicht herrschte, die diesergeradezu ausspricht, daß es nichts auf sich habe, wenn auch einmal einDichter als fünftes Rad am Wagen mitlaufe. Das Mittelmäßige istüberall das Verderblichste und mußte es damals noch mehr sein, alsnoch die Flut der Dichtungen nicht so ungeheuer war, wie in unserenZeiten, wo man unendlich vieles Mittelmäßige übersehen muß, weil esnicht möglich ist Alles zu lesen. Mit welcher Geschmacklosigkeit hierneben einander die neue Empfindsamkeit und die alte rohe Kraft liegt,ist ergötzlich zu lesen.. Beschreibt Herbort den Zorn des HereuleS aufLaomedons Botschaft, wie ihm der Schweiß aus den Augen rann, wieer die Zähne knirschte, die Augen rollte, seine Haut sich runzelte, seineStirne faltete und seine heißgrimme Stimme donnerte, so hört man dieGewalt altnordischer Dichtung; dann muß man die Selbstgespräche derliebenden Zauberin Medea daneben lesen, ganz in der klügelnden Liebeö-sophistik dieser Zeit, und man muß nicht unbemerkt lassen, welch einerohe Art den Hof zu machen dem ritterlichen Jason hier noch eigen ist,die man nicht näher bezeichnen kann. Die kurzen kräftigen Züge vonHerbortS Schlachtmalerei suchen den Lambrecht an Wirkung zu über-bieten und bleiben dadurch zurück; seine Schilderung von Kämpfen, vonWunden, von den Leichen, die mit verdrehten Angen, mit blutbeflecktemSchädel, Hirn, Haare und Ohren mit Blute gemischt liegen, gehen aufsGräßliche aus, eine auffallende Erscheinung unter jenen Dichtern. Da-gegen ist wieder das allmählige Liebesverständniß zwischen Helena undParis, im Veldeke'schen Tone, einfach und nett. Ganz deutsche, ganzheimatliche Züge mischt er unter das Fremdeste, und die Art, wie er das