Antike Dichtungen in neuer Gestalt. Heinrich von Veldeke. 281
deren lateinische Uebertragnngen verglicht), die unter dem Namender Cvrnel. Nepos und Lucius Septimius gehen. Wir verweisen überdiese apokryphen Quellen der Trojanersagen auf die neuesten Ausgabenund Untersuchungen der Philologen^), und auf die Einleitung desHerausgebers von Herborts Liede. Der deutsche Dichter hat sich sicht-lich nach Veldeke gebildet, doch mag zugleich der Ton der älteren Troer-lieder, den man sich verwandt mit dem des Aleranderliedes denken darf,auf ihn eingcwirkt haben, so daß sein Gedicht zwischen Lambrecht undVeldeke eine merkwürdige Mitte hält. Er hat nichts von dem schöpferi-schen und dichterischen Geiste Beider, ist aber durch die eigene Mischungvon Altem und Neuem, durch die Empfänglichkeit, mit der er die Zügeder älteren Darstellungöweise zugleich neben die der Veldeke'schen stellt,ohne auch nur den Versuch einer Versöhnung beider Manieren zu machen,ganz eigenthümlich. Er hat nichts mehr, weder von dem freieren Reim,noch aber auch von dem schönen und freien Vortrage des Lambrecht; erfolgtseinem wälschen Terte,, welcher ihm durch den Grafen von Lciningcnunter Vermittlung Landgraf Hermanns zukam, so weit man vergleichenkann, im Inhalte treulich nach; von wörtlicher Uebersetzung ist natürlichnicht die Rede. Abweichungen gibt dem Herbort hier und da seine feineresittliche Gesinnung ein, wie er denn gleich im Anfänge sich scharf erklärtgegen das Lob, welches das wälsche Buch dem untreuen Pelias zolle,was seinem Herzen widersteht, indem er nie einen untreuen Mann lobenwill, und ob sich auch alle anderen Tugenden in ihm vereinten. Dannaber machten ihm auch andere Stellen Schwierigkeiten durch ihren bloßenmateriellen Inhalt; cs findet sich in seinem Werke eine merkwürdige
S83) V. SS.
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284) Die Ausgaben von A. Dederich. Bonn, 1837. — Benoit giebt in seinemGedichte (s. Keller'S Romvart p. 88 ff.) die fabelhafte Geschichte von der Auffindungdes Darctischen Werkes in Athen ausführlicher, als die Zuschrift an Sallust vor demlateinischen Dares , der auch nur der Auszug eines weitläufigeren Werkes sein kann, wieer uns vorliegt. Nach P. Paris giebt es in der Nat.-Bibl. in Paris eine Handschriftdes 10. Jahrh. (3Iaunser!ts 5>. I, 71), die mit Benoit stimmt, und vielleicht aus-führlicher ist.