280 Uebcrgang zu der ritterl. Poesie der hohe»,lauf. Zeit.
von der ihnen höchstens die Jngenderinnerung etwas im Gedächtnis; ge-halten hatte, wenn sie ihn in freudigem Behagen mit seiner Zeit versöhntsahen, während sie der ihrigen gegenüber schon in Unmuth verbittertsind, wenn sie, was mehr ist, in den Liebesseenen der Aeneide den vollenTon des Herzens vernahmen, den sie selbst nur noch selten im kleinenLiede trafen, so mußte gewiß der, zu dem diese reinere Sprache noch Ein-gang fand, von dem ehrwürdigen Alten begeistert und für ihn zur Be-wunderung hingerissen werden, der ihm ein Vertreter des wundervollenLebens unter Friedrich war, einer Zeit, auf die eben die nächste Zukunftauch in allen anderen Verhältnissen schon schmerzlich zurückblicken ließ.
Die beiden Dichter, die nach dem Vorgänge Veldeke's in der Nähedes Landgrafen Hermann verwandte Gegenstände des Alterthums be-handelten, waren, nach dem Ausdrucke des Einen, „gelehrte Schüler."Albrecht von Halberstadt war Scholastieus in Jechaburgs);seineBearbeitung der ovidischen Verwandlungen (1210) ist verloren; dieritterliche Gesellschaft schien dem nicht rittermäßigen Stoffe wenig Ge-schmack abzngewinnen, meint I. Grimm, und habe das Gedicht, wieBlickers Nmhang, der ähnliche Fabeln der alten Welt behandelt habenwird, vielleicht darum vergessen; kein Dichter der mittleren Zeitenerwähnt es. Im 10. Jahrh. hat es Wickram gedankenlos in die bäuri-sche Manier und Sprache seiner Zeit (Mainz 1545) übersetzt, mit Bei-behaltung von Albrcchts altem Vorwort. Jaeob Grimm hat sich dieMühe gegeben^'), aus der roh entstellten Arbeit Wickram's der Dich-tnngsweise und Sprache Albrechts ans die Spur zu kommen: er hatteOvids Erzählung treu, ohne Einschaltung eigener Gedanken, verdünnendund abkürzend übersetzt, und aus dem Urterte selbst.
Dagegen dichtete Herbort von Fritzlar^) nach französischerQuelle. Er konnte nach den Anführungen in Lambrechts Alerander(V. 1480) schon ältere deutsche Trojanerlieder vor sich haben, auf diesich auch Veldeke schon beziehen durste; es scheintauch, daß Herbortselbst in seinem Gedichte (V. 00, 01, 71 ff.) auf sie hinweist; übrigensfolgte sein Werk im Allgemeinen dem französischen Trojanerkriege vonBenoit von Samte-Maure, mit dem der gelehrte junge Dichter dessenVorlagen, den Dares Phryginö und DietyS Ccetensis, oder vielmehr
380) Haupts Zeitschrift 8, 10. LOL.
281) Ebd. 8, 307 ff.
38A) IlerboiNs von kUlrlar liet von Iroz'e. eä. keoiniuaun 1837.