278 Ilcbergaiig zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
wie unsere Rittersäuger mit Veldcke-. Er gab zuerst dem Verse melodiöseWeichheit und zarten Fall, und in die kurzen reimgepaarten Verse, diewir in unserer Dichtung höher hinaus (bis in den Anfang des I I. Jahrh.)verfolgen können als in der französischen, wo sie erst nach der Mitte deö12.Jahrh. gebräuchlicherwurdcn, brachte er jenen periodischen Fluß, dersürdie leichtere Erzählung wie für die Darstellung gegenwärtiger Sitten un-abweiöliches Bedürfnis; war, und den der allitcrirte Vers und die Strophedeö alten Volksgesangeö nie gestattet hätten; und hierin konnten ihmdie höfischen Dichter der Franzosen, Chrvtien und Raoul, schon Musterund Meister sein. So brachte er auch Gesetz, Regelmäßigkeit und Rein-heit in die Reime. Nimmt man das Niederdeutsche zur Erklärung seinerungenauen Reime in der Aeneidc zu Hülfe, so werden (nach Grimm)seine Reime fast sämmtlich regelmäßig. Zn der vollendeten Verfeinerungder Vers - und Rcimkunst forderte übrigens erst das lyrische Lied auf;auch da steht Veldekc voran. Die Vergleichung lateinischer und fran-zösischer Muster lehrte hier, neben und an die Stelle des willkürlichenWechsels von Hebungen und Senkungen zuerst regelmäßige VcrSmessungund jambische, trocheische, daetylische Maaße einführen; der schärfereUnterschied zwischen klingenden und stumpfen Reimen, der im epischenGedichtenoch unbeachtet blieb, ward hier ein Bedürfniß; dieüberschlagen-den und verschlungenen Reime nöthigten zur völligen Reinheit des Ban-des. In allen diesen Künsten ist Veldcke nicht dem Range, aber derZeit nach der Erste.
Was aber unserem Dichter wohl noch mehreren und größeren Beifallerwarb als seine neue Reimkunst, das war die Einführung der Minnein der Weise, wie das Minnelied damals diesen Gegenstand behandelte.In der Aeneide füllen einen großen Raum die Episoden von der Laviuiaund des Aeneas Liebe, und die Gespräche zwischen der Liebenden undihrer Mutter, die sie dem Turnus zu vermählen denkt. Was auch Vel-deke hier in seinem französischen Buche gefunden haben mag, dieseStellen werden, wenn nicht völlig dem Stoffe, doch ganz der Behand-lung nach, sein Eigenthum sein, und diese Stellen sind im Gedichte mitsolcher Vorliebe behandelt, daß man wohl sieht, eö gilt eigentlich nur umsic; sie sind das, was dem Zeitgeschmack anpaßt und dem daS Uebrigeals trockne Zugabe anhängt; sie sind das, was dem Buche befriedigteLeser verschaffte2'") und was Gottfried (Tristan 120, 8) zu dem Ausruf
279) SchonHerbort spricht von der Aeneide als sehr bekannt. Im Wtgalois scheintin der Stelle, wo die Königstochter von Persien sich von einer Jungfrau dieAeneide vor-