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1 (1853)
Entstehung
Seite
275
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Antike Dichtungen in neuer Gestalt. Heinrich von Veldeke. 27F

Helden, das findet hier Eingang; was nnS dort begeistert, wie die Epi-sode von NisuS und Euryalus, daS geht hier kalt vorüber. Wenn dortdie kleine Malerei innner ans wichtigen Gegenständen ruht, so ist es hierdie Farbe eines Pscrdeohrs (das Aehnliche findet sich im WigaloiS), dasKleid einer Heldin, das Bett eines Helden, die Begräbnißstätte derCamilla sammt der brennenden Lampe, was hier die Beschrcibungslustdes Dichters reizt. Im Nirgil dünkt man sich in einer alten aus demSchutt aufgcgrabenen Stadt zu wandeln, die aus jedem Stein stummzu uns spricht und große Ruinen erhalten hat; hier geht man träge undgetäuscht zwischen wüsten Trümmerhaufen, unter denen uns ein gut-meinender, eingclernter, abergläubiger, auf seinen Unsinn stolzerCieeronemit endlosem Geschwätze und Fabeln fast zuck Verzweiflung bringt.

Aber wenn doch diese Aencide gar so ein elendes Machwerk ist,woher kam es denn, daß Rudolf von Ems gerade dies Gedicht als denVorläufer aller Rittcrdichtung, daß Gottfried den Veldeke als einen vor-trefflichen Dichter anSzeichnet, und daß die Besten, daß selbst der spott-süchtige Wolfram von Eschenbach in dies Lob einstimmt und Alle einegleichmäßige Bewunderung für Veldeke an den Tag legen, die sich unter-einander oft so feindselig befehden? Man könnte sagen, es sei dies da-rum uatürlich, weil der Mensch lieber zum Preise eines unschädlichenVerstorbenen, als eines gefährlichen Nebenbuhlers geneigt ist und daßauch das Acltere und Unvollkommenere, schon eben weil es älter ist, zurNachsicht anfforderc. Und das Verdienst, die Bahn gebrochen zu haben,ist auch eben das Verdienst, um das ihn alle die späteren Dichter vor-züglich preisen^). Wie dies aber zu verstehen sei, kann man auf meh-rere Weise fassen. Denn nach der Strenge des Wortes ist er weder dererste Dichter, noch seine Aeneide das erste Gedicht, welches den Reihender ritterlichen Dichter und Dichtungen führte. Man dürfte eher sagen,er sei unter den Uebersctzern einer der frühesten gewesen, und habe sichdadurch Dank erworben, daß er der Flut französischer Romane Thür undThor in Deutschland geöffnet. Wenn man bedenkt, daß damals dieDichtung fast nur ans Unterhaltung abzweckte, daß unter Hundertenvon Dichtern kaum Einer aus innerem Drang, die meisten nur aus der

277) Die Stelle aus Gottfried ist bekannt genug. Tristan 12t), 18 ff.Ln iogketo dar beste eis

in tiutiscliee rungeo, da von sit oste ersgeua§en,

von den die dluomen guanien, da si die s;,eelie ür näinen

<Iee ineisteelicben künde u. s. w.

Vgl. Wolfram im Willehalm 76, 26 ff.

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