272 liebergang zu der ritterl. Poesie der hohcnstauf. Zeit.
die Gefahren, die Prüfungen, die Abenteuer bereitet, die in dem Kunst-bau des griechischen NomanS daS Stehende sind. Mit solchen Formenund Stoffen, die auch ungebildeten Geschlechtern gerecht waren, konntediese ausgcartete Epopöe des Altcrthnms ungehindert in daö neu sichbildende EpoS deS Mittelalters cintrcten. Man findet daher früh in derfranzösischen Dichtung nicht wenige Erzählungen, in denen die Färbungdeö griechischen Romans, wie die Verarbeitung romantischer Sagcnstoffeder griechischen Welt unverkennbar ist; so in dem Roman von Raimonddu Bousquet in Bernard'S Lcgcudcnsammlung, im Flore, im Wilhelmvon England des Chröticn von Trostes, im Parthenopcus und indemverwandten Florimond, der sogar von einem gcborncn Griechen in fran-zösischer Sprache (1188) geschrieben ist. Zu dieser außermcnschlichenMaschinerie des griechischen Romans thaten dann die Fabeln deö Orients,die Mährchen der Kelten, die Legenden der Christcnwclt ihre übermensch-lichen Triebkräfte hinzu, und all dies mußte sich schon seit den Jahrhun-derten, wo Gallier, Iberer und Briten mit den Römern in ihrer Literaturwetteiferten, allmählig gemischt und einen bannenden Kreis gemeinsamerVorstellungen gebildet haben, in dem jene in Bau und Geist so verwand-ten Romane, die noch im Alterthnm wurzelten und die neu auö Walesund Armorika auftauchtcn, gleichmäßig wurzelten. Sic schossen jetzt, inder Stunde der Reife, massenweise auf; sie überwucherten in Frankreichund Deutschland selbst die Volkssage, die doch landwüchsig war, undverspotteten Sitte und Geist, der darin herrschte; wie sollte vor oderneben ihnen ein antiker Dichter von noch so anerkanntem Wecthe bestehen!Dem ritterlichen Poeten, der in jener Schule ausgewachsen, von den bri-tischen Mährchen begeistert, von der Größe der Gegenwart und ihrer Kunstverblendet war, konnte das trefflichste Gedicht des AltcrthumS nicht zurBearbeitung gegeben werden, ohne daß er cs aus allen seinen Fugenrückte; die sprechendsten Züge des Geistes der alten Zeiten mochten nochso laut zu ihm schreien, sie mußten ihn taub finden.
Keine der Dichtungen, die das Mittelalter ans dem Alterthum ver-pflanzt hat, kann dies mehr veranschaulichen, als Veldckc's Ac-ne idc^). Zu dem was daö Mittelalter aus der Person des Virgilmachte^"), deines alle Nüeisterschaft der Zauberkunst und, als einen
27 i) Heinrich von Veldeke, herauSg. von L. Ettmüller. Leipzig 1852. Eine Aus-gabe von O. Schade ist zu erwarten.
275) Fr. Michel, <)uag viccs guaegne inulationes ei Vingiliuui igsuni et ejusnaniniiia gen innlliain aelurein sxcegeninl. Nunis 1846. Vgl. Maßmann, Kaiscrchronik3, 433 ff.