Einführung britischer Dichtungen.
265
Unfähigkeit, die walisischen Namen zu lesen, sic entstellt haben, so daßman neben die Genannten die entsetzlichsten Seitenstücke stellen könnte;als da sind: Glakothelesfloyr, Dyartorforgrant, Triasoltrisertrant, Griß-maßmalin und Kathaelypso. Daher herrscht auch in den Handschriftenoft sehr verschiedene Schreibung von einerlei Namen. Nun folgt eineverfängliche Seene mit des bösen Wirthes schöner Tochter, die von derLiebe bezwungen ist. Die Sittenrohheiten dieser Art sind in den britischenMährchcn durchgehend; und selbst bei den französischen Dichtern, welchedie Welt nicht mit den ernsten Augen, wie unsere Deutschen, und wieauch diese nur zum Theile, ansahen, ist die Zuchtlosigkeit in allen ge-schlechtlichen Verhältnissen beinahe grundsätzlich. Ucber die verfänglich-sten Dinge wird hier ruhig weggcgaugcu, als müsse es so sein; und esist sehr charakteristisch, wie hier Hartmann von der Aue und Wirnt vonGravenberg sich drehen und wenden und der Sache eine Seite abzuge-winnen suchen; in Lanzclot und dem alten Tristan aber ist das Häßlichenicht einmal mit dem Reiz der Darstellung verschönert. Was Ariost zwi-schen Ernst und Scherz predigt, und Gottfried mit mehr Ernst als Scherz,das thut Eilhart mit dem heftigsten Ernst, der zornig den Teufel in dieGesellschaft der argen Verleumder ruft, die den guten Marke gegen denschnöden Ehebrecher Tristan nur warnen. Am Margen nach der erstengastlichen Nacht erscheint der erzürnte Vater und fordert den MissethäterLanzelot zum Messerwurf, Lanzelot sticht ihn todt, ohne Klang undSang wird er begraben und die Tochter lebt als Weib mit dem Mörder.Solch ein durchaus stumpfes moralisches Gefühl herrscht hier überall;und selbst in Gottfried's feiner Behandlung des Tristan stoßen wir aufVorstellungen, die wir mit unseren sittlichen Begriffen nicht in Einklangbringen können. Die Art, wie sich hier Lanzelot seines Sieges bemäch-tigt, eben wie Tristans Verfahren im Ermorden des Usurpators seinerLänder und selbst im Zweikampf mit Morolt, ist nicht fein ritterlich, son-dern mcuchelmörderisch; sie ist ganz im Stile der rohen walisischen Sit-ten älterer Zeit. Lanzelot zieht übrigens bald von seiner Burg wiederaus, und wo die gutmüthige Beraubte hinfort bleibt, erfahren wir nichtweiter. Auch dieser Zug einer unmündigen Erfindungsgabe kehrt in die-sen Gedichten häufig wieder, daß Personen, an denen mau den lebhafte-sten Antheil gewonnen hat, plötzlich verschwinden und nicht wieder er-scheinen. Lanzelot kommt zu einem gefährlichen Schlosse, wo ein gewisserLinier jeden, der bewaffnet zur Burg kam, zu tödten pflegte. Seine NichteAde nimmt an dem Ritter vom See (denn so heißt er von seinem Jugend-aufenthalt, und jeder dieser Ritter der britischen Romane pflegt einen