Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
262
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Z62 Uebergang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.

im Französischen von Rnstieien verkürzt, im Niederländischen in einerRcimbcarbeitnng''') noch erweitert, nnd französische, englische, italieni-sche, spanische Drucke und Umarbeitungen verbreiteten es im 15. 16.Jahrh.; es ward Lanzclot neben Tristan ein Lieblingshcld der Ritter-schaft, mehr als Parzival der Gewinner deö Graals, dessen Lanzelot, dasGegenbild Parzivals, durch seine weltlichen Sitten gerade verlustig ging.Denn der Kern dieser zahllosen Abenteuer ist auch hier LanzclotS Liebe zuGinevra, der ursprünglich alleinige Gegenstand der Sage. Gerade dieserGegenstand aber fehlt in unseres Ulrich's Lanzelot, dem unstreitig älterenGedichte^). Darin aber sind sich beide Gedichte ähnlich, daß auch inUlrich's Lanzelot, wie klein nnd eng er gegen den prosaischen Roman ist,so frühe schon die Züge verschiedener Arthnrromanc, die sich alle einanderzu gleichen pflegen, in willkürlicher Erfindring an den Namen Lanzclotgeknüpft sind. Je weniger das Gedicht um seiner selbst willen eine Ana-lyse verdient, nm so erwünschter fordert uns gerade diese Eigenschaft auf,am Faden der Erzählung unseres Lanzclot lieber in einem allgemeinerenZwecke aus allen nach Deutschland übergegangencnArthurromanen zu-sammenfasscnd die Züge anzudeuten, die die Art dieser Sagen nnd Stoffeund ihre Behandlung charakterisiren, um dem Leser ein ungefähres Bildzu gebendem dem, was diesen Dichtungen allen in ihrer ursprünglichenBeschaffenheit gemeinsam war.

Das Gedicht beginnt in einer Einleitung die Endschicksale der Elterndes Helden zu berühren. Dies kommt fast in allen Gedichten dieser Artvor, schon imLai von Havelok^''), ii Tristan, im Wigamur, imWiga-lois, im Parzival; cs ist ein so nothigcS Stück in dem Hansrath dieserRomane, wie Entführungen im griechischen oder eine gcfährlicheWcrbungim deutschen. Es war nämlich, heißt es, ein König Pant von Gcnevis,streng, hart nnd kriegerisch, dessen sanftes Weib Clarine ihm einen Sohngebracht hatte, von dem große Dinge waren gcweissaget worden. DieVasallen des Königs aber erregen, als das Kind kaum ein Jahr altwar, einen Aufstand und verwunden ihn, auf der Flucht stirbt er undeine Mecrminnc raubt der Königin ihren kleinen Sohn und führt ihn in

271) Ansg. v» Jonckbloet. 's tlravonbnge 1846. 2 VoN. 4.

272) Daß der prosaische Lanzclot im 12. Jahrh., und von Walther Map geschrie-ben sei, wird Niemand glauben, der die Mittheilnngen des GiralduS Cambrensis überdiese, ihm befreundete, Persönlichkeit gelesen hat. Vgl. I. Grimm, Gedichte des Mittel-alters auf Friedrich I. 1845.

272^) Deutsch in A. Keller's Altfranz. Sagen» 1839. 1. Bd.