Einführung britischer Dichtungen.
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anderen in den Zuständen der ritterlichen Gegenwart weilt. Die irrendeRitterschaft, die stehenden Helden der Abenteuer, diese ritterlichen Welt-bürger sind den ganz vaterländischen britischen Helden der alten Bardendes 6. Jahrh. so ungleich als möglich; aber dann sind ihre Sitten wie-der roh und stumpf und dem seinen höfischen Ton des normannischenoder provenzalischen Adels so fern als denkbar. Die Darstellung undErzählung ist dem entsprechend: einförmige Abenteuer, Helden- undZanbcrgeschichtcn, in dürftiger Veränderung ewig wiederholt, der Ge-sichtskreis klein wie der eines einsiedlerischen Volks, das der menschlichenNatur wenig kundig ist, der Vortrag einfach roh wie die Sitten, die erschildert. Und gerade die diesen Mährchcn nachgcdichteten, französischenEpen sind es, die sich in den ritterlichen Kreisen Europa's am reißendstenverbreiteten und die höchste Kunstausbildung in Frankreich und Deutsch-land erhielten. Die genannten Eigenschaften derselben, die dem zu wider-. sprechen scheinen, scheinen dies doch auch zu erklären. Der Form nachlag in dem Mangel der Einheit und des inneren Zusammenhangs, der inden Arthurmährchen wie in den rein wälschcn (z.B. vonPwyll) herrscht,gleichsam eine Aufforderung hier nachzuhelfen oder auch in Willkür fort-znbanen; der Stümper ward hier nicht abgeschrcckt, der Meister konntesich angezogen fühlen. Der Meister konnte auch noch von einer anderenSeite gereizt werden. Viele dieser Mährchen, auch die rein walisischenwie das von Manawyddan, haben (schon durch die vielfache Neigungzum Allegorischen) die Anlage zu einer ideellen Ausführung, cs ist darinoft eine psychologische Aufgabe zu lösen, die Entwickelung eines anzie-henden Charakters zu geben versucht, was selbst große Dichter anlockenkonnte. Was den Inhalt angeht, so ist darin nichts Ausgefühcteö überdie ritterlichen oder christlichen Zustände des 12. Jahrh., aber es istgerade so viel Unterlage dafür geboten, daß sie sich voll darauf auftragcnließen. Und dazu fühlte die ritterliche Dichtung ein Bedürfniß. Dieepischen Gedichte erzählten bisher in Deutschland und Frankreich voneinem heidnischen Helden des AlterthumS, von den Recken der Heroen-zeit, von den christlichen Märtyrern, von dem heiligen Frankenkönig imDienste der Kirche; hier war eine Lücke: das Ritterthum brauchte eineVerherrlichung an und für sich. Das glänzende Leben, das die Ritter-schaft in Nord - und Südfrankreich entfaltete und das schon seit dem An-fang des 12. Jahrh. in der lyrischen Kunst gegenständlich gefeiert ward,suchte nach einer epischen Gestaltung; das Kriegs- und Gemüthslebender Ritter trug sich nun in die britischen Mähren ein, die wie ein leeresGefäß waren, das die Sitten des Standes am widerstandlosesten