Einführung britischer Dichtungen.
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Hier nämlich schoß ein verpflanzter Zweig des britischen Volkes indenselben Jahrhunderten zu neuem Leben auf, während der Stamm selberin England verkümmerte, und Sage und Dichtung trieb hier neue Blütenin der frischeren Pflege des Volks, während sie in Wales unter der kasten-artigen Bardcngilde stillstand oder entartete. Die Ucbcrsiedlungen derKambrier nach Armoriea hatten im 4. Jahrh. begonnen; im <». wun-derten sic vor den Sachsen in Masse dahin ans; andere Züge sollen zurZeit Cadwaladr's (Ende des 7. Jahrh.) gefolgt sein. Der Landwinkel,den sie hier besetzten, konnte die Umwohner nicht wohl zu Erobcruugö-und Vertilgungskriegcn anreizen; die Briten konnten die hartnäckigeEigenthümlichkeit ihrer Nationalität hier behaupten, aber nicht ohne mitFranzosen und Normannen feindlich zusammenzustoßen. Gekräftigt durchdie Auswanderung, wurden sie cs durch diese Kämpfe noch mehr; inBerührung mit diesen rührigen Stämmen wurden sie menschlicher, welt-kundiger, der europäischen Bildung näher gerückt; die sittliche Spann-kraft, die in den Römer- und Sachsenzeitcn unter den Briten erschlafftwar, kehrte hier wieder; glücklich bestandene Kämpfe festigten mit derSelbständigkeit das Selbstvertrauen, und an die Stelle der entmnthigen-den Elegien, die im <>. Jahrh. den Fall dcrKambrier in England besangen,trat hier bei ihrer Auferstehung ein Volksgesang voll thatsächlichem In-halt, Balladen, die dem schönsten der nordischen Volksdichtung glcichstehen,und von denen sich einzelne Stücke ans jenen fernen Jahrhunderten (be-greiflicherweise unter Veränderung der Sprache und des Inhalts) bis aufunsere Tage lebendig fortgepflanzt haben^). Der Natur dieser Ver-hältnisse ist es durchaus gemäß, daß hier in der Bretagne die britischeSage und Dichtung allmählig den Inhalt sammelte, in dem sic nachherim k2. Jahrh. plötzlich erscheint, wie das Volk selbst hier den alten,urzeitlichen Charakter seiner abgeschlossenen, fremdem Einfluß unzugäng-lichen Cultur in etwas ablcgte. Unter den älteren bretagnischcn Volks-gesängen ist ein Kranz von Balladen über den Helden Morvan Lez-Brciz(ff 818) und seine Feindschaft mit Ludwig dem Frommen; sie tragen ein-zelne spätere Züge, sie erwähnen Münzen, die es vor dem 14. Jahrh.nicht gab, aber ihr ganzes Gepräge ist alt und ächt. Sie erzählen vondem Kinde Morvan, wie er, von seiner Mutter in cinsamerRückgezogen-hcit gehalten, auf einen wandernden Ritter trifft, den er für einen Engelhält, wie er nun die Begierde nicht bezwingt selbst ein Ritter zu werden,
852) Narrrr-Nroir z eliants gogulaires de In Nrelaßne. ed. Villemargue. JBde.184V. Volkslieder aus der Bretagne, übers, von Keller und v. Seckendorf. Tübingen 1841.