248 Uebergcmg zu der ritterl. Poesie der hohcnstauf. Zeit.
einfacher, zum Theil seltsamer Beschaffenheit, die aber in dem Geschmackeder Zeit fast jeden anderen Dichtungsstoff überwanden und verschlangen.Eö ist eigen, wie sich in der literarischen Geschichte so verschiedener Zeiten,wie des 12. und 18. Jahrhunderts, so viele wesentliche Züge entsprechen.Beidemale kämpfen bei uns, wie wir eben andeutetcn, die nationalenDichtungsstoffe und Formen mit fremden Einflüssen. In diesem Streitedes Geschmacks spielte, ähnlich wie im IL.Jahrh., auch im 18. der Sinnfür englische Dichter und Romane und nicht am wenigsten die Begei-sterung für den galischen Ossian eine wesentliche Rolle. Beidemale lei-teten die Einwirkungen von dort her die Dichtkunst an, die Empfindun-gen der Liebe zu ihrem Hanptstoffe zu nehmen; und was Lcssing vondem Einfluß der englischen Literatur in der neuen Zeit sagte, daß hierder Geist der Nachahmung als Muster gepriesen hätte, was in der Ge-schichte der Poesie als Ausartung erschiene, dies läßt sich von den briti-schenDichtungcn des 12.Jahrh. mit noch viel größer». Rechte behaupten.
Um diesen Ausspruch mit einigen Andeutungen zu erhärten, müssenwir einen flüchtigen Blick auf die britisch - walisische Dichtung und Sagewerfen und deren Umgestaltung und Entartung mit Winken bezeichnen,so weit dies einem Fremden, der wälschen Sprache Unkundigen möglichist, der in diesem Gebiete mehr nach geschichtlichen Analogien urtheilcnmuß, als aus einer umfassenden Kcnntniß der Quellenschriften, die auchzur Zeit noch weder vollständig bekannt noch kritisch gesichtet sind.
In der ersten Auflage dieser Geschichte ist der Wunsch ausgesprochenworden, es möchte ein gründlicher Forscher, ausgerüstet mit gesundemGeiste und ächt historischem Sinne, Licht bringen in die Geschichte derkeltischen Stämme, die die Unterlage der geschichtlichen Nationen neuererZeit bilden wie die Pelaögcr die der alten, die wie diese gestürzt sind,fast ehe sie mächtig waren, und in Geistesbildung entartet, fast ehe sieblühten; es ging dieser Wunsch im Besonder,, auf die Aufklärung derwalisischen und bretagnischen Alterthümer, Geschichte und Dichtung.Seitdem ist in diesen Gebieten die vielfachste Thätigkeit entfaltet wor-den; Gesellschaften und Privatleute haben die Durchforschung wälscherQuellen neu belebt; Lady Gucst (und bei uns San Marte) haben jeneMabinogion bekannt gemacht, die für manche Räthscl der britischen Dich-tung eine plötzliche Lösung brachten; die Prirc, Rees, Herbert, Ste-phens u. A. sind in den verschiedensten Richtungen wirksam gewesen;das Eisteddvod von Abergavenny (1838) hat die uralte Verwandtschaftvon Wales und Bretagne gefeiert und Villcmarquc konnte dort eine bre-tagnische Rede zusammenstcllen, die von Walisen verstanden wurde, der-