Nolandlied vom Pfaffen Konrad.
243
die folgenden Ucbertreibnngen wieder wirkungslos gemacht wird. Ro-land übernimmt der Schmerz, er ändert die Farbe und läßt das Haupt'auf den Sattel sinken; nur Turpin's Noth weckt ihn wieder; die Kraftdieser Kämpfer ist wie die eines Samson riesenmäßig übertrieben. Nacheinander fallen denn auch die letzten, und Roland. Da er von der Weltschied, ward am Himmel ein Licht, und ein Erdbeben folgte mit Donnerund Himmelzcichcn, die Winde fällten die Bäume, der Sonne Licht er-losch und der Tag ward finster wie die Nacht, die Sterne gingen auf,Schiffe gingen unter, Thürme und Paläste stürzten ein, und es schienals ob das jüngste Gericht Hereinbrechen wolle. Der Stricker, der hierschon klügelt, wie doch diese Geschichte des Falles der Christen bei so all-gemeinem Mord erhalten und erzählt sei, bemüht hier einen Engel, vondem die Kunde herrühre ^°), eine Maschinerie, die in den fränkischenVolkssageu außerordentlich oft wiederkehrt. Karl naht jetzt mit seinemHeere, ein Engel erscheint und ermuthigt ihn, im Mutterleibs schon seier zu Gottes Dienstmann bestellt gewesen, alle Rechte bei dem oberstenThrone erwarteten ihn, und alle seine Genossen hießen nicht der WeltKinder, sondern Söhne des obersten Herren. Zugleich geschieht ihmJosua's Wunder (wie auch im Turpin die Mauern von Pampelnna aufsein Gebiet cinstürzen): die Sonne wird aufgehaltcn, ein Wunder, dasder heilige Kaiser im Roman Galten schon selbst verrichten kann. Esfolgt endlich eine große Schlacht gegen die Heiden, die Paligau undMarsil das Leben kostet; dann Karls Klage über Rolands Tod, die Vie-len so nahe geht, daß sie todt uiederfielen. Bei Bestattung der Todtengeschehen Wunder, Wunder auf ihren Gräbern. Auch Rolands Alitestirbt vor Gram unter des Kaisers Händen.
Das Gedicht des Pfaffen Konrad ist im Dienste Herzog Heinrichsdes Löwen aus dem Französischen übersetzt. Der Dichter schrieb es zurZeit, als Heinrichs Macht noch in der Blüte stand, er spricht ihm nichtsals Sieg und Ehre zu, und weiß Niemanden so sehr mit David zu ver-gleichen als ihn. Noch ein anderer aus der Zahl unserer früheren ritter-lichen Dichter, Eckhard von Oberg (im Hildeöheimischen), erscheint alsDienstmann Heinrichs des Löwen (1189 —1207). Wir wissen auseinem ausdrücklichen Zeugnisse, daß Heinrich zu alter Sagcngeschichte,„deren Gegenstand er selbst wieder ward", Neigung trug ^, und dazu
245) In Schilter's lbes. II. >>. 88.
246) Oliron. 8tecke> burK. (l.eib»it 2 , seripU. re?. brunsv. 1, 86.) ex eit. VV.kriinin: ipse etiaiu, licet roborc et viribus corporis (lekeeret, et inllrinitas, yuae
16 *