Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
240
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240 Uebergang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.

im Gefecht, und die Frohnkämpen spielend mit Saitenspiel, Gesang undWaffen, und Frauen im Schmuck der Gewände und des Geschmeides.Salomon allein konnte sich mit Karl vergleichen. Wie die Boten ihmnahen, erkennen sie ihn, da er am Schachbrct sitzt, ohne Fragen, amGlanze seiner Augen (von deren uiedcrwerfendcr Gewalt schon der Mönchvon St. Gallen zu erzählen wußte), deren Feuer sie so wenig ertragenkonnten, wie die Mittagssonne. Jedes Wort, was zu seinem Preisegesagt wird (V. 182 ff.), stempelt ihn hier, wie auch die ganz überein-stimmende Ansicht in der Kaiserchronik, zum Apostel und Propheten. DieGesandten bringen ihr Anliegen an, der Kaiser ist geneigt um deö Zei-chens der Palme willen, das sie führen, wie der Heiland da er in Jeru-salem einzog, ihre Anträge anzunchmcn; im Rathe der Zwölfe aber istZwiespalt darüber, Turpin widerräth, der alte Bischof St. Johanneshat Lust zum Apostel- und Märtyreramt. Bei diesen Berathungcn siehtman, scheints, selbst in dem deutschen Texte die Wiederholungen doppel-ter Lieder durch, obwohl das, was sich hier mit Abweichungen wieder-holt, wohl verknüpft ist. Der altehrwürdige Johannes mit seinen grauenLocken, der aus Krücken lehnt (eine ächte Figur spanischen Geschmacks,wie überhaupt das Aehnliche in dem Vortrag dieses Gedichtes mit denspanischen Romanzen, neben dem vielen Eigenthümlichen in beiden,gegenseitige Bürgschaft des Alters, der Volksmäßigkcit und deö west-gothischen Ursprungs ist), räth, Gesandte an Marsils Hof zu schicken,die sich von dessen wahren Absichten unterrichten sollen. Roland, Olivier,Turpin erbieten sich sogleich und werden abgewiescn, ganz in dem selbst-herrschenden Tone des gestrengen Kaisers, der von seinem plötzlich auf-brausenden Unwillen keine Rechenschaft gibt, der sich von Launen bestim-men läßt, der seinen Willen errathcn haben will, der schon alle Anlagezu jenen ritterlichen Launen hat, die nachher in den spanischen Romanzenso ins Ertrem getrieben sind. Das Auffallende, das Feierliche und Pomp-hafte ist überall gesucht, um den Helden allezeit in einem ungewöhnlichenLichte zu zeigen; darum sind ihm jene feurigen Augen geliehen, jenestiefsinnige Senken des Hauptes, jenes Streichen des Bartes, jenes Run-zeln der Brauen u. dergl. mehr, auch an Stellen, wo nichts Wesent-liches diese theatralischen Manieren fordert. Roland schlägt dann seinenStiefvater Ganelon vor, zu dessen eigenem Verdruß, Karl stimmt dazu,und überreicht ihm den Handschuh, den dieser zu Aller Unwillen fallenläßt. Der Charakter des Ganelon ist, wie der des Keye in den Arthnr-sagen, das Meisterstück in diesem Gedichte, in dem überhaupt noch alleGestalten jene volksmäßige, plastische Festigkeit haben, die durch lange