Rolandlied vom Pfaffen Konrad.
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lungen und in seinen Predigten zu Ehren St. Jago's verfolgte; in den mei-sten Handschriften ist die Tnrpinische Chronik von Calirtns' Abhandlungüber die Wunder St. Jago's begleitet. Im 20. Cap. der Chronik läßt derVerfasser den Kaiser Karl in St. Jago einen apostolischen Sitz errichten,das ganze spanische Land dieser Kirche unterwerfen und jedem Haus inSpanien eine Abgabe an dieselbe anflegcn; erst im 22. Capitcl kommt dieRoncevalschlacht zur Rede; am Schluffe fördert St. Jago den Kaiser zuden ewigen Freuden. Wir verweilen auf dieser Entstehungsgeschichte derTnrpinischen Chronik darum so lange, weil, ihre Richtigkeit zugegeben,die Analogie sehr merkwürdig ist, wie hier die kluge Familiensorge einesmächtigen Kirchcnfürsten den dichterischen Cnltns eines Haupthelden dermittelalterlichen Sage zur höchsten Blüte zu treiben geholfen hätte, genauso, wie ungefähr gleichzeitig die Politik walisischer Häuptlinge dazu mit-half, den Namen Arthurs zu erhöhtem Glanze zu treiben. Wie dem abersei, das Rolandlied unseres Pfaffen Konrad (zwischen 1173—77 gedich-tet), hat weder den pfäffischen Anstrich des lateinischen Türpin, noch denvaterländisch-fränkischen des französischen Liedes von Theroulde: es istganz durchglüht von dem Geiste der Kreuzzüge und der kriegerischen At-mosphäre Deutschlands zur Zeit Friedrichs und Heinrichs des Löwen.Das Verhältniß von Konrads Werke zu seinen Quellen ist nicht bestimmtanzugeben. Er konnte ältere deutsche Lieder vor sich haben, auf welchedie Kaiserchronik schon hinwcist, wie denn im 12. Jahrh. auch schon ver-schiedene Erzählungen von Karls Jugend in Deutschland bekannt wa-ren^). Er übersetzte aber ein französisches Werk, und zwar erst insLateinische, dann ins Deutsche. Zu keinem der erhaltenen französischenTerte stimmt Konrads Bearbeitung genau, sowie die spätere Umdichtungdes Stricker, die dein Werke Konrads im Ganzen folgt, noch eine andereQuelle neben ihm verräth. Daß keine von allen Bearbeitungen der Sageunmittelbar aus der anderen geflossen ist, beweist die vvlksmäßigc Man-nichfaltigkeit der Sage. Die französischen Gedichte sind in jenen gleich-reimigen, oder vielmehr gleich assonircnden Absätzen (Tiradcn) verfaßt,die der schwerrcimcndcn deutschen Sprache unmöglich gewesen wären, inder arabischen und walisischen Dichtung aber in jenen Zeiten gleichmäßigbegegnen und den romanischen Sprachen so nahe lagen, daß sie sich schon
213) Ein niederrheinisches Bruchstück eines Karlmainet s. in Benecke's BeiträgenI, 613 und in Maßmann's Denkmälern I, 155. Ein jüngeres in Lachmann'S nieder-rbeinischen Dichtungen. Auch der Stricker hat die Jugend Karls wieder aus anderenQuellen behandelt, die Konrad nicht kannte.