234 Ucbergang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
in Eginhard eingeschoben ist oder nicht. Wir gehen aber hierbeinoch entfernter vorüber, als bei unserer deutschen Sage. Die Sagen-geschichtc ist für die Geschichte der Poesie, wie die Alterthümer für diepolitische Geschichte, nur in den allgemeinsten und sichersten Ergebnissenwichtig. Wer aus den erhaltenen Resten dichterischer Hervorbringungund aus der gewissen Ueberliefcrung öffentlicher Handlungen die poli-tische und die Kunst-Geschichte schreiben will, der darf der Hel-densage und der Alterthümer cntrathen, die nur dem, der die Geschichtedeö p oetischcn Le b ens oderdes häuslichen Lebens schreiben wollte,von Wichtigkeit wäre. Allein es ist laut und stille seit ewigen Zeiten an-erkannt worden, daß die Geschichtschreibung füglicher aus dem öffent-lichen aus das Privatleben schließen läßt, als umgekehrt; und so wirdes sich denn entsprechen, wenn auch in der Dichtungsgeschichte lieber ausder Darlegung deö in den Dichtungen herrschenden Geistes und ihrerVerwandtschaft mit dem äußeren Leben auf das poetische Leben zurück-geschlossen, als wenn Volkssage, Sitte, Gebrauch der Sänger und der-gleichen zum Mittelpunkte der Erzählung gemacht wird, was Alles erstsein rechtes Licht erhält, wenn das unumstößliche Verhältuiß der erhalte-nen dichterischen Schöpfungen zu der Zeit, die sie schuf, mit scharfenZügen angedeutet ist, was das eigentliche Geschäft des Literarhistorikersbleiben muß. — Die fränkische Sage hat sich zu einem ganz ungeheuerenUmfange ausgedehnt; sie bildet den Mittelpunkt der gesummten ritter-lichen Dichtung des Mittelalters. Sie hat den höheren Geist der Poesiein den romanischen, germanischen und selbst britischen Völkern erst gewecktund die epische Form in neues Dasein gerufen. Und sie erwarb sich diesengroßen weltgeschichtlichen Einfluß wesentlich dadurch, daß sie wiekeinanderer Zweig europäischer Volkssage frühe das christliche Prinzip her-vorhob und die Kreuzzüge und Ncligionskämpfe, den großen Quell allerritterlichen Epik, zu ihrem Mittelpunkte nahm; dies erleichterte ihr, allenahen und fernen Stoffe in sich aufzunehmen und so wieder überall hinEingang zu finden. Sie schlug ihre ersten und frischesten Wurzeln indem Geiste, der durch Jahrhunderte die Schicksale der Welt entschied undalle Kopse und Gemüther durchdrang. Wir sahen diesen Geist schon indem Ludwigöliede herrschen, zu dem sich die älteste Karlsage dem Geistenach genau so verhält, wie die alte Dietrichsage zum Hildebrandliede.Dieser Quelle und Entstehungszeit der fränkischen Volkssage gemäß sindHeidenkämpfe, Kämpfe um den Vorzug des Glaubens der Mittelpunktdes fränkischen Epos, wie Kämpfe im Allgemeinen, um den Vorzug derWaffen und der Stärke des Arms, der Mittelpunkt der deutschen Sage