228 Uebergang zu der rittcrl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
übrigen Erzählung das Wunderbare vermeidet, gewinnt jener Wink desAlkinooS eine Bedeutung, der des Odysseus Erzählung mit dem Vortragdes Sängers vergleicht. Derselbe Kunstgriff ist nun hier, man muß ge-stehen in einer sehr einfachen und bequemen Weise, in dieser Briefformgebraucht. Nun mag Alexander selbst für seine Erzählung einstchcn. Esist dem Verstände eine Zuflucht gegeben; wir können den Dichter nichtunmittelbar fragen, wie sich dies Alles der Wirklichkeit gegenüber ver-halte; es ist Aristoteles' Vorschrift gewahrt, das Alterthümliche mitBerufung auf Andere lieber, als in eigner Person zu erzählen, um denSchein der Erzählung wunderbarer Dinge zu vermindern. Auch in Lam-brechts übriger Erzählung ist das Wunderbare in ähnlichem Verhältnissevermieden und nur im Schluffe nicht, wo es wieder hcraustritt, undzwar um dem epischen Plane des Gedichtes zu dienen, den der Dichter soschlicht ausführt, wie er in allem ist, was er thut und sagt.
Am Ende seiner Kämpfe mit DariuS und Porus führt Lambrechtden Alcraudcr zu den Skythen. Sie beschicken den König und lassen ihmsagen, bei ihnen sei nichts zn holen und wenig Ruhm zu erjagen. Alex-ander gibt ihnen Friede und befragt sie um ihre Lebensweise, ihre Sitten,ihre Begräbnisse. Nichts, sagen sic, hätten sic zu verlieren; Wohnungund Grab sei ihnen allezeit zur Haud, sie hätten nicht die eine noch dasandere, im Leben und Tode hätten sie den Trost, daß sie der Himmel be-decke. „Da fragte er sie nicht weiter." Es ist der Alexander, der vor derTonne des Diogenes auch ihn bewundert und der von zwei Dingen nurEines will, entweder die Welt verachten oder besitzen. Der Skythe vonAlexander aufgcfordert, ihn um etwas zu bitten, verlangt von ihm, daßer sie unsterblich mache. Als Alexander sich mit seinem menschlichen Un-vermögen entschuldigt, fragt ihn jener: warum denn, da er ein Sterb-licher sei wie sie, er die Welt so in Bewegung setze und nicht Mäßigunglernte, die in allen Dingen gezieme? Auch in allen anderen Bearbeitun-gen der Alcrandcrsage im Mittelalter wird dem Helden diese Frage ge-stellt und die guten christlichen Dichter lassen ihn dann beschämt wie einenarmen Sünder abzichen; aber hier erhebt er sich in seiner ganzen Größe,der echte Sohn des hellenischen Volks, der die Beschaulichkeit und dieBeschränkung achten kann, aber nicht üben, der mönchischen Sinngewähren läßt, aber nicht herrschen, der von den Pflegern einesrückgczogenen bescheidenen, bedarflosen und regungslosen Lebens eineWarnung, aber keine Belehrung annimmt, und er weist sic von sichmit den vortrefflichen Worten: Uns ist von der höchsten Gewalt ein-- gepflanzt, zu üben, welche Kraft wir erhalten haben! Das Meer ist dem