226 Ucbergang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
konnten sie leben, in der Sonne vergingen sie sogleich. Der Wald er-schallte von der Mägdlein nnd Vögel süßen Stimmen, wie mochte eswonniglicher sein, spät oder früh? Ihr Leibcsgewand war ihnen ange-wachsen, roth und schneeweiß wie der Blumen war ihre Farbe. Da wirsie zu uus gehen sahen, zog es uns lockend zu ihnen. Ich sandte sogleichnach meinem Heere, sie schlugen ihr Gezelt ans in dem Wald, wir freu-ten uns mit Jubel der seltsamen Bräute, und hatten mehr Wonne, alsje seit wir geboren waren. Weh, aber wie bald verloren wir das großeBehagen. Drei Monate währte es und zwölf Tage, daß ich und meinewackern Helden im grünen Walde und bei der schönen Aue weilten undmit den Frauen in Lust und Freude lebten. Da geschah uns großer Jam-mer, den ich nie sattsam beklagen kann. Da die Zeit vollging, zergingunsere Freude; die Blumen gar verdarben, und hin starben die schönenFrauen. Die Bäume ließen ihr Laub und die Brunnen ihr Fließen unddie Vögel ihr Singen. Uufreude begann mein Herz zu zwingen mitmannichfaltigem Schmerze, da ich täglich die schönen Frauen sterben, dieBlumen verderben sah. Da schied ich weg mit meinen Mannen mitschwermüthigem Herzen. — Wenn irgend etwas in Worten und Aus-drücken, in inniger warmer Empfindung an Odysseus' von Wehmuthüberzogene, von Sehnsucht durchbrochene, von schwankender Erinnerungan vergangene Seligkeit und Jammer begleitete Erzählung reicht, die sowunderbar die Stimmung der Seele trifft, in welcher der Herumgcfah-rene Last nnd Lust der Reise überdenkt,' oder wenn irgend eine Dichtungdie reinste Unschuld athmet und die naiveste Gläubigkeit einer schönen,geregelten und reichen Phantasie ausspricht und bei der wunderbarstenWelt, die sie öffnet, den gesündesten Sinn bewahrt, so ist cs diese unbe-schreiblich liebliche Erzählung, die an Indien und die Nymphäcn derNatur und der Mythologie erinnert und in der freilich gegen andereTheile des Gedichtes gehalten die Anmuth der Darstellung außerordent-lich vorsticht. Nach manchen anderen Abenteuern kommt Alexander ander Welt Ende, wo der Himmel sich umdreht wie um die Achse das Rad.Dann gelangt er zum Land der Candare, die schon früher sich durch einenMaler sein Bild verschafft hatte. Ihr Sohn Candaulus kommt insHeer, und bittet den Ptolemäns um Hülse, ein Feind habe ihm seinWeib gestohlen. Ptvlemäus spielt auf Alexanders Geheiß die Rolle desKönigs und er selbst die des Antigonus. Sie unterstützen den Prinzen,und kommen dann durch ein Land mit wunderbarem Gethier in den Fcen-Palast der Candare, dessen Herrlichkeit vortrefflich geschildert wird. Esist eine zweite Kalypso oder Kirke, in deren Bereich der Held kommt, und