Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
225
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Aleranderlied vom Pfaffen Lambrecht.

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gefahrvolle Rückkehr von da durch die Schrecknisse der Wüsten und Wäl-der, was in diesen Sagen der Hauptreiz für das Mittelalter war. DaAlexander zu den äußersten Enden der Welt kommt, denkt er heim, anseine Mutter und an seinen Lehrer, und er schreibt ihnen einen Brief vonLeid und Freud seiner Fahrten. Die Sehnsucht nach der Heimat, dieLambrecht in die wenigen Worte legt, mit denen er den Brief einleitet,der Ton der sanften Wehmuth, der über den Brief selbst gebreitet ist, istaufs innigste empfunden und ausgedrückt. Auf einmal schweigt der krie-gerische Sturm der Begebenheiten, und wirschen den griechischen Hel-den im Rückblick auf seine Thaten nachdenklich, am Ziel seiner Bestre-bungen weich wie den Achill nach Hektars Mord, den unbändigen Kriegs-maun im ächthcllenischen Heimweh geschmolzen, und wie gerne läßt manhier die christliche Liebe zu Mutter und Lehrer hiucinspiclen, die sichmit der antiken Liebe zum Vaterland so herzlich und innig berührt. Wirhören nun von den wunderbaren Geschöpfen der fremden Natur, die derHeld auf seinen Reisen kennen gelernt habe, und es berührt uns wohl-thätig, wenn wir durch allerhand Entstellung und Fabel doch die Wirk-lichkeit, wenn wir unter den sonderbaren Thiergestalten und Pflanzen dasRhinoecroö, die Affen, die Palmen, den Asbest, die Kokosnüsse, dieSchakals erkennen und merken, daß wir nicht ganz im Reich der Träumesind. Sie kommen an einen Wald, lösen ihre Rosse und gehen hinein.Wir fanden da, erzählt der Brief, manch schönes Mägdlein spielend aufgrünem Klee zu hunderttausend und mehr. Sie spielten und sprangen,und wie sangen sie schön, daß durch den süßen Ton ich und meine Heldenunser Herzeleid und alle Last und Ungemach vergaßen, das uns je ge-schah. Uns allen dänchte, daß uns für unser Leben Fülle und Freudegenug gegeben sei. Da vergaß ich Angst und Leid, und wir Alle wasuns Leides geschehu war bis an diesen Tag; mir dünkte, als ob mirKrankheit und Tod an diesem Orte nichts auhaben könne. Wie cs mitden Frauen war, will ich euch sagen. Wenn der Sommer kam und csbegann zu grünen und die edelu Blumen gingen auf, da waren dieseherrlich zu schaun in der Pracht ihrer Farben, sie waren rund wie einBall und überall fest geschlossen; sic waren wunderbar groß und wennsich die Blume oben erschloß, das merket in eurem Sinne, so warendarin Mägdlein ganz vollkommen, die da gingen und lebten und Men-schcnsinn hatten und redeten, als ob sie etwa ein zwölfjähriges Alter hät-ten. So schön geschaffene Frauen an Leib und Antlitz, an blanken Armenund Händen sah ich nie; sie waren in Züchten fröhlich und lachten undsangen, daß ich so süße Stimme nie vernahm. Aber nur im SchattenGers. d. Dicht. I. Bd. 15