224 Nebergang zu der ritterl. Poesie der hohmstauf. Zeit.
sind, verschmolzen zu sei». Welch eine jammervolle Gestalt haben dieseReden bei allen Bearbeitern der Alerandersage im Mittelalter, wo dieZwergnatur der träumerischen Dichter recht klar wird neben dem Riesen,der in des Lebens Mühen selbst den Zweck des Lebens setzt. Aber hiersind sie dnrchglüht noch von dem Geiste, der sie ursprünglich cingab, hierist ganz der unruhige Strebsinn ohne Schwanken, hier das Selbstgefühl,der Trotz in daö Angesicht der Aufwiegler, die Verachtung der Heimweh-männer; hier ist cs kein Räthsel, wenn diese Worte auch jene WirkungHervorbringen, ähnlich wie sie die Geschichte schildert: daß die Getroffe-nen bleich und roth werden, ihre Schuld gestehen und nach wiedererlang-ter Huld aufspringen und singen und die Fahnen aufbindcn. Wenn derDichter hernach in Porus' Heer die Elcphantcn beschreibt, so spricht unsdie Wahrheitsliebe und die Naivctät, mit der er zwischen RichtigesFabelhaftes mischt, so rührend komisch an, wie im Herodot, wenn erIndiens und Arabiens Naturwunder aufdcckt. Die Schlacht mit Porusfolgt. In dessen Aufmunterung an sein Heer spricht sich Vaterlandsliebeaus und Nachetrieb für Darms' Tod, und Sinn für Ruhm bei denNachkommen und den Verwandten zu Hause. So menschliche, so ge-wöhnliche Leidenschaften, die sogar in einem kriegerischen Zeitalter diefast einzig herrschenden sein sollten, wo wären sie bei unser» Sängern zufinden, als eben hier? Im Zweikampf schlägt Alerander den Porus;wenige höchst lebendige Verse, die wieder ihrer ganzen Färbung nachwcseicklich deutschen Ursprungs sind: Sie zuckten die Schwerter, sie spran-gen zusammen, die Schwerter klangen an ihren Händen, da sie sich hie-ben wie die wilden Schweine, der Stahlschall war groß, daö Feuer blitzteüberall, da sie den Schildrand zerhieben — als ob man in das Hilve-brandlicd zurückversetzt wäre, so einfach lebendig ist die Schilderung.Jetzt erst folgt der Volkskampf; mit Grimm stößt die Menge zusammen,die grünen Wiesen röthen sich, kein Helm besteht vor Alerander, mancheFurche füllt sich roth mit Blut und es häufen sich die Leichen. In sogleichmäßiger Kraft schildert der Dichter bis hierhin den Lauf von Alex-anders Siegen, und in einer Lebendigkeit, wie sie wohl andere Gedichtean einzelnen Stellen, nur dieses aber in so stetem Zuge besitzt. Es ist derEindruck einer kernfesten Männernatur, den wir davon tragen, der unshebt und kräftigt, während uns alle mittelaltrigcn deutschen Dichtungenfast ohne Ausnahme erschlaffen.
Von jetzt folgt ein zweiter, von dem bisherigen geschichtlichen Theileganz verschiedener Abschnitt in unserem Gedichte; es folgt nach dem Zugeins Land der Skythen der weitere Zug bis ans Ende der Welt und die