Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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223
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Aleranderlicd vom Pfaffen Lambrecht.

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nischen oder französischen Quellen unserem Lambrecht noch so vieles ent-gegen gebracht haben: daß er diese eigcnthümlichen, seiner Zeit ganzfremden Vorstellungen und Züge so treu bewahrt, mit einer Wahrheitaufgefaßt und mit einer Sicherheit ausgesprochen hat, die ein Zeugnißfür sein inneres Verständniß derselben ist, dies ist nicht minder außer-ordentlich. Man muß nur beachten, wie ein Vcldeke alles eigenthümlichGroße im Virgil und ein Albrecht von Halberstadt im Ovid bis ans dieletzte Spur vertilgt und verlöscht hat, um zu begreifen, welcher Kopfdazu gehörte, in jenen Zeiten dieses Gedicht auch nur so zu übersetzen.Vor den weichen, zarten, schwimmenden Gefühlen dieser Späteren mußjedes Große, jedes Einfache verschwinden, jeder Laut der Natur ver-stummen. Hier hallt er, falls er auch nicht frei hätte ans des DeutschenBrust quellen können, doch voll darin nach. Wer der damaligen Dichterhätte den Sinn für jene erhabene Wendung in Aleranders Antwort ge-habt: er wundere sich, daß ihm DarinS zur Zeit noch Anerbietungenmache, da er selbst weit mehr zu geben habe als er. Nun gelte cS Kampfum Alles oder um Nichts! Und wenn hernach Darms an Porus umHülfe schreibt, wenn er ihm ergriffen, innig, in Verzweiflung, mit er-schreckender Aufrichtigkeit seine ganze Noth vorhält, so ist es vortrefflich,wie dabei der königliche Ton gehalten und der Herrscherwürde nichtsvergeben wird, und wenige der damaligen Poeten hätten so etwas nurnachmachen können, die Allerbesten kaum ausgenommen. Wenn der Fle-hende dabei von dem Gedanken anögeht, dem Pvrnö ans Herz zu legen,daß der ächte Freund in der Noth geprüft werde, und er dazwischen den-selben Mann, zu dessen großer Gesinnung er jetzt redet, im andernAugenblick mit dem Versprechen von Sklavinnen und von AlerandersWaffen und Roß zu gewinnen sucht, in der Angst ja nichts zu versäu-men, was dieser letzten Hülfe Hoffnung in ihm erhalten könnte, wer er-staunt nicht über diese Seelcnkenntniß und fragt sich betroffen, ob selbstdem Gottfried von Straßburg dergleichen so geläufig gewesen wäre?Als nachher Darms ermordet wird und Alexander bei dem Sterbendenerscheint, beklagt er ihn im Ton der Männlichkeit. Alle Bearbeiter derSage haben sich hier gefallen, die edelmüthige Aenßcrnng Alexanders,daß, wenn er ihn erhalten könne, er ihm sein Reich znrückgebcn würde,anszumalen; hier wird sie kurz ausgcstoßen, wie man so etwas spricht,dagegen fragt der Sieger hier ernstlich nach den Mördern und darinerkennt Lambrecht die königliche Gesinnung. Auf dem Zuge gegen Porusschon wollen Alexanders Leute nicht weiter; er spricht zu ihnen, und hierscheinen jene trefflichen Reden in Indien und in Babylon, die bei Arrian