Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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222
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222 Ucbergang zu der rittcrl. Poesie der hohcnstauf. Zeit.

kam, weit überdeckt ward das Feld mit Todtcn, sie schlugen und stachen,daß die Schäfte zerbrachen, dann griffen die Recken zu den scharfenSchwertern und fochten mit Grimm. Alle Volksschlachten und Stürmeund Streite, die Darms bisher gefuchten, vergleichen sich diesem nicht;daß je von Darms Zins verlangt ward, das reute hier manchen in derFahrt, denn mancher Lebensfrohe schwamm hier im Blute. Der Sturmwar grimmig und hart, mancher Helm und Panzer und Schild warddurchstochen und zerhauen, und der gewaltige Perser sah jammernd seineHelden ans dem Wahlplatz beflossen mit Blute und erdrückt und ertränkt,und ec war der Erste zur Flucht. Als die Kunde über Persien kam, wardgroßer Jammer. Mancher hatte seinen Freund, der Vater sein Kind, dieMutter den Sohn, die Verlobte den Geliebten zu beklagen. Die Jungenan den Straßen, wo sie zu Spiel versammelt waren, beweinten ihreVerwandten und Herren; die Kinder weinten der Spur nach und legtenihre Freude ab. Mond und Sonne verwandelten ihr Licht und wandtensich ab von dem Mord, der da geschehen war. DariuS kam in seinenSaal, um ihn weinten klagend seine Leute, er warf sich ans das Estrichnieder und jammerte, daß er noch lebe, und klagte das wankende Glückan, das seine Herrlichkeit durch den Einen Mann zertrümmert hatte, dasden Reichen zum Spiel hat und den, der fest saß, niederfällt. Wohinkam diese Fülle an Gedanken, an Bildern, an menschlichen allgemeinenGefühlen bei den späteren Dichtern? wohin dieser antike Sinn der Un-parteilichkeit, mit dem dieser Mann von Mißfallen an des PersersHochmuth zum Mitleid mit seinem Unglück und seinem im Unglück sichveredelnden Charakter hinreißt, eben wie er auch weit entfernt ist von derblinden Bewunderung für seinen wunderbaren Helden? Wohin dieseTheilnahme, diese Menschlichkeit, die das Auge auf Allem, auf allenStänden, auf der ganzen Volkömasse hat und nicht blos an den Einenvergeudet, für den jene Sänger, wie sie gewöhnlich sind, einzig Herz zuhaben scheinen? Daraus schreibt jetzt Alerandern nachgiebig. Der Blick,den hier der Dichter wieder in die innere Natur thnt, ist so vortrefflichwie der Ton, mit dem er den würdevollen Unglücklichen den früherenAusdruck seines Uebermuths in Dcmnth nmwandeln läßt, so daß seinSelbstgefühl immer noch vorblickt. Er mahnt den Sieger, sich seinesGlückes nicht zu überheben; er erinnert ihn an seine eigene Gewalt, undob er wohl früher einem hätte glauben mögen, der ihm solch ein Ge?schick geweissagt? Nun gehe es ihm nahe, den Spott der Weiber duldenzu müssen! Dies sind in der Thal die Gesinnungen des ächtesten Alter-thums ; ihre Reinheit ist bcwundernswerth; und möchten hier die latei-