Z12 Ucbergang zu der ritterl. Poesie der hohcnstauf. Zeit.
ersten die uns einen größeren Gesichtskreis eröffnen und uns zugleich aufacht dichterischen Boden versetzen, sind ihrem Inhalte und ihrem Geistenach ganz an die höfischen und ritterlichen Kreise gerichtet, das Eine istauch nachweislich in einem solchen entstanden; die Dichter aber sindweder Ritter, noch auch lausche Fahrende, sondern Geistliche. Aber essind Geistliche, die das eiserne Zeitalter Friedrichs 1. verrathcn, in demauch der Bischofs den Panzer trug; cs sind Geistliche der Kreuzfahrerzci-ten, wo auch der Ritter ein Mönch ward. Von dem Geiste ihres Stan-des durchdrungen, wie von dem Geiste der Zeit, von den heiligen Kriegs-thateu emporgehoben über die alltägliche Beschäftigung ihres Amtes unddie herkömmliche Enge des pricsterlichcn Gesichtskreises, waren sie geradevorzüglich geeignet, in den vorüberftieheuden Ereignissen des Tages dasDauernde, in den Handlungen die Beweggründe zu bezeichnen, in demKörper der Zeit ihren Geist zu erfassen. Hatten doch jene geistlichenDichter in Oesterreich die ganze äußere Geschichte des alten Testamentesnur als ein Symbol betrachtet, und die Thatsachen als ein nicht bcach-tenswerthes Scheinwerk dem allein wahren Gedanken, der inneren Be-deutung, dem geistigen Sinne untergeordnet, der darin ausgedrü.ckt seinsollte! Wie sollten sic nicht denselben sinnigen Geist in der Beurthcilnngder Zeitgeschichte walten lassen und in der Auffassung der Gedichte, diezu ihr ein lcbcnvolles Verhältnis; hatten! War doch der Eine jener geist-lichen Dichter, der Pfaffe Lambrecht, der Dichter des Aleranderliedes,vielleicht selbst in jenen südöstlichen Gegenden zu Hause, wo wir jenevergeistigende religiöse Dichtung fanden; war er doch ganz von dem strengchristlichen Geiste jener frommen, zeitgenössischen, österreichischen Dichterdurchdrungen, als er seinen heidnischen Helden besang, ja ganz wiejene von dem asectischen Gedanken von der Welt Eitelkeit beherrscht, alser den weltlichsten, den wcltcnsüchtigen Eroberer verherrlichte. Er er-zählte freilich dessen Geschichte ganz ans einem Geiste des Widerspruchs.War Karl der Große, der apostolische Gvttesheld, das unmittelbareMusterbild des christlichen RitterSmanncs, so ward Alerander vielmehrnur aus dem Gesichtspunkte des Gegensatzes betrachtet; und nur, inso-fern ihm der Sage nach am Schluffe seiner Laufbahn der höhere Sinnaufging, der des christlichen Kämpfers Laufbahn von vornherein bestim-men sollte, konnte auch Alerander einem Lambrecht ein ruhmwürdi-gcs Gefäß zur Verherrlichung Christs und des Christenthnms scheinen.Und in dieser Auffassung hätte Lambrecht die Worte nachgesprochcn,die in dem Prologe zu einer seiner Quellen (Leo's üben de giolüs)