Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
208
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208 Uebergang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.

erschien, vor einigen Jahren bei einem erneuten Reliquienscandal dieSpeenlation zürn Druck gebracht. Da diese Gelegenheit das Werk ge-lesener machte, als es sonst geschehen wäre, so wollen wir eine nähereAngabe des Inhalts sparen. Die Namen Orendel und Engel gehörender ältesten seandinavischen Sage an; sonst steht das Gedicht in engsterVerwandtschaft neben Oswald, als eine kreuzrittcrlicheBrautwerbefahrt,die an legendarischen Stoff geknüpft ist. Die Erfindung ist vag und injeder Hinsicht ungefüge und gering, was dann durch die rohe Gestalt,in der wir das Gedicht lesen, noch auffälliger wird. Die spätere Zeithat es mit ihren grotesken Zusätzen verschont, es sind vielmehr die Zügesehr alter epischer Einfalt stehen geblieben, und die psychologischen Auf-gaben, die etwa sichtbar werden, wie die Liebe der Frau Bride zu Oren-del, sind in der ungeschickten, plumpen und wortlosen Art behandelt, wiein den ältesten britischen Romanen und Mährchen.

Alle diese ungestalten, schwankenden Dichtungen sprechen aufs deut-lichste eine Zeit aus, in der eine Umwälzung mit den Stoffen und demdichtenden Stande vorgeht. Wie sich die alte und neue Sprache, alterund neuer Versbau und Reimregel, hoch- und niederdeutsche Mundartin dem Formellen der Dichtungen des 12. Jahrhunderts streitet, so auchim Inhalt Altes und Neues, Einheimisches und Fremdes, Geschichteund Sage. Und diesen Verhältnissen entspricht es, daß, so lauge dieDichtung keinen inneren Mittelpunkt hatte, den die Minnedichtung ersthinzugab, und so lange sie noch keine feste Stätte (an den Höfen) besaß,das Ungewisse ihres Schicksals auch in den Ständen zu gewahren ist,die sie pflegen. Gerade wie zur Zeit nach der Abblüte der höfischenDichtung eben diese selben Stoffe und Mischungen und Unsicherheitenwieder eintrcten, gerade wie dann gelehrte, höfische, fahrende Sängersich durchkreuzen, so war es in dieser Zeit, deren Charakter wir in allenTheilen am Ende des 13. und im 14. Jahrhundert wieder finden wer-den. Gerade wie dann die uralten Volksthümlichkeiten sich wieder indie Rittererzählungen eindräugten, so drang im 12. Jahrhundert diehöfische Manier in die Volksdichtung und machte zur Erzählung, wasvorher Gesang war. So kazn cs nun, daß das Volksmäßige in diesenGedichten nur noch in Spuren erscheint, verirrt, entstellt, unter den will-kürlichsten Eingriffen der Einzelnen. Diese Eingriffe wagte man ansolchen Stoffen, die ursprünglich nichts bedeuteten: was groß im Inhalt,feststehend in der Ueberliefernng, geheiligt im Ansehn war, das gab sichder Willkür nicht so hin. Was aber mochte das für ein Volksgcdichtsein, das, wie die Quelle des Ruothcr, nicht einmal Heimat und Namen